Verschwörungsideologin soll im Gemeindehaus Lamm auftreten

Am 8. April 2026 soll im Gemeindehaus Lamm in Tübingen ein Vortrag zum Thema „Die WHO und die Krise des Rechtsstaats in Deutschland“ mit der Referentin Dr. Beate Sibylle Pfeil stattfinden.
Veranstalter ist eine Gruppe, die sich als „Tübinger Ärztegruppe“ bezeichnet.
Die Referentin tritt in verschwörungsideologischen und rechten Kontexten auf und ist Sympathisantin des Trump-Stellvertreters Vance.

Die Referentin: Beate Sibylle Pfeil

Dr. Beate Sibylle Pfeil aus Freiburg-Kirchzarten tritt als Juristin auf. Die „Autonome Antifa Freiburg“ schrieb über Pfeil:

„Sibylle Pfeil ist Juristin aus Kirchzarten, aber keine Anwältin. Sie ist verheiratet mit Wolfram Triller, Erster Staatsanwalt aus Lörrach, Staatsanwaltschaft Freiburg. Vor der Pandemie arbeitete Pfeil zu Themen des europäischen Minderheitenschutzes. Sie war im Vorstand dieses europäischen Instituts für Minderheiten Fragen in Kiel und für eine Amtszeit auch die deutsche Vertreterin in einem Gremium des Europarats zum Thema.
Verschwurbelt wurde Sibylle Pfeil durch ihre Hausärztin während der Pandemie. Sie redete auf „Corona-Demos“, schrieb an Broschüren mit, verfasste juristische Schreiben „für den Widerstand“ und macht juristische Beratungen. Mittlerweile ist Beate Sibylle Pfeil gerichtlich anerkannte „tragende intellektuelle Vordenkerin der Südbadischen Coronaleugner- und Querdenker-Szenen“.
Am 6. April 2022 war Beate Sybille Pfeil an der koordinierten Störung des FES-Vortrags zum Thema „Rechtsextremismus, Rechtsterrorismus und ,Querdenker‘ – Aktuelle Bedrohungen für die Innere Sicherheit“ beteiligt.“

Pfeil hat mehrfach für die rechtsesoterisch Querdenken-Partei „die Basis“ (2022, 2023, 2024) referiert, ebenso wie mindestens zweimal für die rechte WerteUnion bzw. deren Förderverein (2024, 2025) und das BSW (2026).

Am 27. September 2025 war sie außerdem laut Ankündigung in Dessau Referentin auf dem „Freiheitssymposium 2025“ der rechtslibertären Atlas-Initiative“ von Markus Krall. Der Antidemokrat Krall plädiert dafür Empfänger*innen staatlicher Leistungen das Wahlrecht abzuerkennen.

Im Juli 2025 trat Pfeil sogar auf der „Anti-Zensur-Konferenz“ (AZK) der antisemitischen Sekte von Ivo Sasek auf. Er warnt sein Publikum vor einer Weltverschwörung von satanistischen Hochgrad-Freimaurern.
Das Pfeil auf der Konferenz auftrat war aber keine Verirrung, denn sie passte gut ins verschwörungsideologische Programm, auch wenn sie nicht so brachial wie Sasek auftrat. Sie beklagte in Bezug auf die Pandemie-Leugner*innen eine „Verfolgung in Deutschland“ und raunte: „Es gibt Kreise, die wünschen sich eine neue Pandemie.“ Zudem warnte sie mit Bezug auf die Weltgesundheitsorganisation WHO vor einem drohenden „totalitäre[n] Gesundheitsregime“.

Pfeil ist laut der Vorstellung auf der AZK auch Mitglied in mehreren Organisationen der Pandemie-Leugner*innen: „Netzwerk Kritische Richter und Staatsanwälte n.e.V.“, „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie (MWGFD) e.V.“, „Anwälte für Aufklärung“

Am 29. April 2023 erschien von Pfeil auf der Homepage des „Netzwerk Kritische Richter und Staatsanwälte n.e.V.“ ein Text mit der Überschrift „Die ‚Antisemitismuskeule’“. Darin wandte sie sich unter Verweis auf einen Brief von drei jüdischen Einzelpersonen als Leumundszeugen gegen die Kritik an den ständigen NS- und Holocaust-Analogien in der Szene der Pandemie-Leugner/innen. Sie beklagt in Bezug auf Impf-Gegner/innen: „Diese wurden und werden viel zu häufig und vor allem ohne nachvollziehbare Begründung mit den aktuell wohl schlagkräftigsten Stigmata wie „rechtsradikal“ oder gar „antisemitisch“ versehen oder in deren Nähe gerückt.“ Der Holocaust werde von den Kritiker/innen solcher Analogien nur nur zur Diffamierung instrumentalisiert, so Pfeil. In Wahrheit instrumentalisierten die Pandemie-Leugnerinnen den Holocaust und NS-Verbrechen für ihre politischen Zwecke, was dann zu Recht als antisemitisch kritisiert wurde. Als einer der im Text angeblich Diffamierten im Brief wird dann neben Anderen ausgerechnet David Icke benannt, ein wahnsinniger Verschwörungsideologe, der ‚Reptiloiden‘ als Chiffre für seinen Wahn einer jüdischen Weltverschwörung gesetzt hat.

Im Januar 2025 tauchte Pfeil als Unterzeichnerin eines offenen Briefs an den US-Vize-Präsidenten J. D. Vance auf. In dem Text vom 16. Februar 2025 heißt es lobhudelnd in Bezug auf dessen Rede auf der „Münchner Sicherheitskonferenz“:

„Sehr geehrter Herr Vizepräsident J.D. Vance,
wir haben Ihre Rede in München mit großer Aufmerksamkeit und Dankbarkeit verfolgt. Ihre klaren Worte zur aktuellen Situation in Europa und Ihr entschlossener Einsatz für die Werte der Demokratie und Freiheit haben uns tief bewegt. In einer Zeit, in der viele politische Entscheidungsträger in Europa diese grundlegenden Prinzipien vernachlässigen, ist Ihre Stimme eine Quelle der Ermutigung und Hoffnung.
Unsere politischen Führungskräfte mögen Ihre Worte zurückweisen oder ignorieren – aber sie sprechen nicht für uns. Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung sind für uns, die Bürger Europas, unveräußerliche Säulen unserer Demokratie. Wir sind entschlossen, diese Prinzipien mit friedlichen Mitteln wiederherzustellen und zu verteidigen.
Wir nehmen die Unterstützung unserer Freunde in diesem Unterfangen dankbar an. Bitte geben Sie Europa nicht auf.“

Der Veranstalter: „Tübinger Ärztegruppe“

Die „Tübinger Ärztegruppe“ von Ärzt/innen, die sich als Impfkritiker/innen verstehen. Ein Mitglied soll Dr. Klaus Lesacher sein, ein anthroposophischer Allgemeinarzt und zumindest zeitweise Schularzt an der Tübinger Freien Waldorfschule. Er war 2020 Redner auf mehreren Corona-Demonstrationen.
Am 25. Juni 2025 veranstaltete die Gruppe in Tübingen einen Vortrag über die RKI-Protokolle mit der Impf-Gegnerin Aya Velazquez.


Der Watchblog „Tübingen Rechtsaußen“ ist ein Bewegungsmelder für rechte Aktivitäten in den Kreisen Reutlingen und Tübingen.
„Tübingen vs. Rechtsaußen“ wendet sich gegen rechte und reaktionäre Umtriebe in den Kreisen Reutlingen und Tübingen und dokumentiert diese kritisch.