Eine Demo organisieren

Mit unsere wichtigsten Aktionsformen sind Kundgebungen und Demonstrationen. Mit Versammlungen können wir antifaschistische Inhalte auf die Straßen tragen, Widerstand gegen Missstände auf die Straße tragen und öffentlichen Druck aufbauen. Sie stellen Momente der Aneignung des öffentlichen Raums dar, können zu einer antifaschistischen Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung beitragen, oder Teil von direktem Protest gegen rechte Veranstaltungen verschiedenster Art sein. Sie stellen Momente der Selbstbestimmung dar und können, richtig durchgeführt, Erlebnisse der kollektiven Ermächtigung gegen Rechte und den Staat darstellen und dazu dienen, über gemeinsame Erfahrungen auf der Straße unsere Bewegung auch nach innen hin zu festigen und die politische Schlagkraft durch ständige Weiterentwicklung von Strategien der Selbstbestimmung zu fördern. Weiterhin dienen sie dazu Personen zu erreichen, die sich für politische Kämpfe interessieren und somit die antifaschistische Basis zu erweitern und zu verstärken. Versammlungen sind also sowohl für die Außenwirkung, als auch nach innen ein wichtiger Bestandteil antifaschistischer Praxis.

Je nach Anlass ergibt es Sinn, eine Kundgebung zu planen, die einen Fokus auf die inhaltliche Auseinandersetzung mit einem Thema legt, oder eine Demonstration, die kämpferisch auftritt und Momente der Selbstbestimmung schafft. Öffentlichkeit, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, schaffen beide Aktionsformen die sich natürlich auch wunderbar kombinieren lassen. Bei beiden Aktionsformen sollten wir in der Regel darauf achten, ein ansprechendes Außenbild (bei Blockaden von Naziaufmärschen z.B. sind ist das natürlich weniger das Ziel und Selbstschutz und Mobilität stehen im Vordergrund) zu produzieren und von außen sollte auf den ersten Blick erkennen zu sein worum es geht. Dafür ist eine gute Vorbereitung der Aktion maßgeblich. Thematisch passende Transpis, Schilder und das Verwenden von passenden Parolen sind wichtige Bausteine, damit die angestrebte Außenwirkung erreicht werden kann. Flyer die an Passant:innen verteilt werden sind außerdem ein guter Weg die eigene Absicht verständlich zu machen, und die bereits gewonnene Aufmerksamkeit zur Vermittlung von noch mehr Inhalten zu nutzen. Je nachdem wie viel Vorbereitungszeit es gibt und wie wichtig wir die Versammlung einstufen kann es davor Vorbereitungs- und Basteltreffen geben, Reden müssen geschrieben, Parolenzettel ausgedruckt, und eine Soundanlage organisiert werden. Weitere Punkte für die Vorbereitung können die folgenden sein.

 

Vorbereitung der Versammlung:

  • Bündnispartner:innen suchen und ansprechen
  • Kundgebungsort oder Demoroute vorab auf Hindernisse und kritische Stellen prüfen
  • Ausreichend Transpis / Schilder bereitstellen
  • Ausreichend Ordner:innen einplanen und Kommunikationswege / Zuständigkeiten besprechen und Binden bereitstellen
  • Zentrale Aufgaben wie z.B. Megaphonverantwortung im Vorhinein verteilen und sich auf darauf vorbereiten
  • Kommunikation zu Ordnungsamt / Polizeiführung zuteilen
  • Unter Umständen „Demoleitung“ festlegen (muss nicht Anmelder:in sein, sondern erfahrene Person(en))
  • Order:innen einweisen und sich und ihnen die Aufgabe von Ordner:innen klar machen – Ordner:innen haben die Aufgabe die Veranstaltung im Sinne der Teilnehmer:innen zu ordnen und zu koordinieren, sie sind keine Unterstützung für die Polizei!
  • Anmelden der Versammlung beim zuständigen Ordnungsamt

 

Versammlungen können entweder geplant stattfinden oder spontan ins Leben gerufen werden, um unmittelbar auf politische Ereignisse reagieren zu können. Sie sind grundsätzlich nicht abhängig von einer Genehmigung, auch wenn manche Versammlungsbehörden gerne so tun, als wären sie Herren über Versammlungen in ihrem Bereich. Nach der Anmeldung einer Versammlung wird der anmeldenden Person in der Regel ein Bescheid zugestellt, in welchem die Versammlung bestätigt und die Auflagen bekannt gegeben werden. Natürlich sind Ordnungsamt und Cops nicht gerade die größten Fans einer kämpferischen, selbstbestimmten Antifabewegung und darum meistens nicht begeistert davon wenn wir auf die Straße gehen. Deshalb sollte es uns nicht überraschen, wenn unsere Versammlungen mit Auflagen überzogen werden, die uns in unserer Handlungsfähigkeit einschränken sollen. Von Schikanen durch Cops und Ordnungsamt dürfen wir uns nicht einschüchtern lassen, sondern sollten den Behörden gegenüber stets selbstbewusst auftreten und nicht alles mit uns machen lassen. Oft stimmt es auch einfach nicht, was Cops und Ordnungsamt uns weismachen wollen. Informiert euch im Vorhinein über rechtliche Rahmenbedingungen, auch das zeigt den Behörden gleich, dass ihr nicht einfach naiv alles mit euch machen lasst. Meist entscheidet sich auch anhand der Kräfteverhältnisse vor Ort, wie die Versammlung auftreten kann.

Wenn die Versammlung durchgeführt wurde ist eine kritische Nachbereitung mit allen die an der Organisation beteiligt waren gut, um gemeinsam festzuhalten was warum gut oder auch schlecht gelaufen ist und um in Zukunft daraus zu lernen. Auch ein öffentlicher Nachbericht über die Aktion sollte nicht allzu spät veröffentlicht werden, damit er noch aktuell ist.