Bericht zur feministischen und antifaschistischen Vorabenddemo in Heidelberg
Mit 350 Menschen sind wir kämpferisch in den 1. Mai gestartet. Die feministische und antifaschistische Vorabenddemo fand in diesem Jahr unter dem Motto „Burschis in den Neckar fegen!“ statt, womit wir an feministische Traditionen der Walpurgisnacht sowie an antifaschistische Traditionen in Heidelberg anknüpften: Bis zum Jahr 1996 liefen in Heidelberg am 30. April Burschenschaften und andere Studentenverbindungen zum Fackelmarsch auf, bei dem sie rechte Lieder sangen und immer wieder rassistische Übergriffe verübten. Nachdem die Autonome Antifa Heidelberg dieses braune Treiben zurückschlug, marschierten 1997 keine Burschis mehr auf und der öffentliche Raum wurde stattdessen mit linken Inhalten gefüllt. Somit feierten wir in diesem Jahr ein Jubiläum: Nacht zum Mai – seit 30 Jahren burschifrei!
Nach einer Auftaktkundgebung an der Stadtbücherei zog die Demo lautstark durch die Poststraße, über den Bismarckplatz, durch die Hauptstraße bis zum Uniplatz, wo bei einer Zwischenkundgebung die aneinandergereihten Transparente ein starkes Bild ergaben. Die abwechslungsreichen Redebeiträge befassten sich sowohl mit dem grundlegenden reaktionären Geist aller Studentenverbindungen als auch explizit mit Heidelbergs Nazi-Burschenschaft Normannia. Diese hatte 2020 nach einem antisemitischen Übergriff auf ihrem Haus, der größere Wellen schlug, ihre aktive Studierendenschaft aufgelöst und fiel in einen Dornröschenschlaf. Da kleinere Änderungen an ihrem Internetauftritt darauf hindeuten, dass sie sich aktuell zu berappeln versucht, statteten wir ihr im Rahmen der Vorabenddemo mal wieder einen Besuch auf dem Schlossberg ab, um klar zu machen, dass wir bereit stehen, um das zu verhindern. Dort angekommen saßen tatsächlich zwei Burschis in Couleur auf dem Balkon der Villa Stückgarten, die von einem massiven Polizeiaufgebot bewacht wurde. Wir haben schon öfter gezeigt, dass unsere antifaschistischen Interventionen der Nazi-Verbindung ordentlich zusetzen können und werden alles dafür tun, dass die Normannia am Boden bleibt!
Wie bereits im letzten Jahr beendeten wir unsere Demo im Anschluss auf dem Karlsplatz, wo sich die Turnerschaft Ghibellinia und die Burschenschaft Allemannia wieder in ihren Häusern verschanzt hatten, und beschallten die Villen auf dem Schlossberg noch einmal mit feministischen, antifaschistischen und Anti-Burschi-Parolen.
Im Anschluss an die Demo kam es bei einer weiteren Aktion noch zu Schikanen der Staatsgewalt: Seit die Burschenschaften in Heidelberg am 30. April keine rechten Lieder mehr auf dem Marktplatz singen, wird der Mai von einigen Antifaschist*innen mit der Internationalen und weiteren Arbeiter*innenliedern begrüßt – auch um zu mahnen an die öffentlichwirksame Präsenz, die Rechte und Nazis in den 1990er Jahren in Heidelberg noch hatten und um den Marktplatz zu füllen, damit die reaktionären Männerbünde nie mehr so Fuß fassen können in der Stadt. In diesem Jahr griff die Polizei diesen Brauch an: Schnell standen drei Wannen auf dem Marktplatz, deren mit Schlagstöcken und Pfefferspray ausgerüstete Besatzung Macht demonstrieren wollte. Die Androhung der Personalienaufnahme und einer Anzeige hinderte die Antifaschist*innen nicht daran, das antifaschistische Maiansingen durchzuziehen und mit „Die letzte Schlacht gewinnen wir“ von Ton Steine Scherben selbstbestimmt zu beenden.
Wir freuen uns schon auf den nächsten 30. April! Kampf dem Faschismus!
Die Redebeiträge findet ihr hier.












