Gedenken an die Opfer des Holocaust – Das „Nie wieder“ beim Wort nehmen

Am Mahnmal für die Opfer des Faschismus auf dem Landauer Hauptfriedhof kamen wir heute zusammen, um an den 27. Januar zu gedenken, an dem 1945 die Soldaten der Roten Armee das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreiten und damit die mörderische Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten zum Stillstand brachten.. Das KZ Auschwitz steht bis heute als Symbol für die Shoah, für den millionenfachen Mord an Jüdinnen und Juden, für Zwangsarbeit, Menschenversuche und damit die grenzenlose Entfesselung der Unmenschlichkeit. Seit mehreren Jahren gedenken wir an diesem Tag der Opfer – weniger als formale Pflicht, sondern als bewusste Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit, die wir selbst nicht erlebt haben und aus der wir dennoch Verantwortung ziehen wollen und müssen.

Damit Erinnerungen nicht verblassen, haben wir Überlebende des Holocaust zitiert und ihre Erfahrungen für sich sprechen lassen. So Gerty Spies, die in ihrem Gedicht Winter 1943/44 ein eindringliches Bild von Elend, Kälte und völliger Hoffnungslosigkeit zeichnete, in dem die Tage nur noch vom Wunsch nach Erlösung getragen waren. Rudolf Vrba, dem 1944 die Flucht aus Auschwitz gelang, bezeichnete das KZ als „Fabrik des Todes“, in der das Vernichten mit dem schleichenden Zerstören der Seele begann. Auch der sowjetische Soldat Jakow Wintschenko, der am 27. Januar 1945 an der Befreiung beteiligt war, berichtete von „lebenden Toten“ und „Schattenwesen“, die ihm dort begegneten.

Und gleichzeitig erinnerten wir auch an die Menschlichkeit, die trotz allem aufblitzte – etwa in der Solidarität, die Marian Turski erfuhr, als Freunde ihn durch Brotspenden vor dem sicheren Tod retteten.

Der Chor „Antifa Cantata“ begleitete das Gedenken mit dem jüdischen Lied „Still die Nacht ist voller Sterne“, das an den Widerstand gegen die nationalsozialistische Besatzung erinnert. Kerzen und Nelken wurden am Mahnmal niedergelegt, gefolgt von einer Schweigeminute.

Unser Erinnern blieb nicht in der Vergangenheit stehen. Wir richteten den Blick bewusst auf die Gegenwart, denn Antisemitismus und faschistische Ideologien haben in Deutschland Kontinuität. Wer „Nie wieder“ ernst nimmt, muss verstehen: Nie wieder dürfen Menschen von Rechten und Faschist:innen zu Zielscheiben von Hass gemacht werden.

In einem gesellschaftlichen Klima, das in den letzten Jahren von einer deutlichen Rechtsentwicklung geprägt ist, haben Angriffe auf KZ-Gedenkstätten und Synagogen stark zugenommen – der Anschlag in Halle 2019 steht dafür sinnbildlich. Wir warnten zugleich auch vor einer gefährlichen Verschiebung, denn Antisemitismus wird häufig erst dann skandalisiert, wenn er von Muslimen oder Menschen arabischer Herkunft ausgeht. Der Vorwurf darf jedoch nicht als rassistisches Werkzeug missbraucht werden, um migrantische Personen pauschal zu kriminalisieren und damit eine nationalistische Abschottungspolitik zu legitimieren.

Wer „Nie wieder“ sagt, und zwar nicht nur dann, wenn es sich auf Großdemonstrationen schickt, muss jede Form von Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit bekämpfen.

Erinnerungskultur kann dazu beitragen, indem sie dort ansetzt, wo Lernen notwendig ist: bei der Auseinandersetzung mit den Ursachen, Auswirkungen, Strukturen und Folgen faschistischer Gewalt.

Zum Abschluss sangen wir gemeinsam „Die Moorsoldaten“ und erinnerten uns an den Schwur von Buchenwald. Denn all das, was wir als Antifaschist:innen immer wieder tun – Demonstrationen organisieren, Gedenkveranstaltungen gestalten, Vorträge halten, Bildungsangebote, streiten, diskutieren, aufklären und uns im Alltag einmischen –, entspringt letztlich der festen Überzeugung, dass der Faschismus in all seinen Erscheinungsformen überwunden werden muss. Jede einzelne dieser Tätigkeiten, ob sichtbar auf der Straße oder leise im Hintergrund, ob in Landau oder sonst wo, soll doch am Ende eines ermöglichen: eine Gesellschaft, in der solche Verbrechen nie wieder möglich sind.