Mehr als einhundert Rechtsextreme haben sich am Wochenende in Ortenberg getroffen. Die nahezu ausschließlich männlichen Teilnehmer reisten aus ganz Deutschland sowie aus Dänemark, Litauen, Polen, Tschechien, Rumänien, Italien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden an, um zu besprechen, wie sich die Europäische Union zerschlagen lässt. Ziel des gerade erst gegründeten Vereins „Ave Europa“ ist es, in einem neu zu schaffenden Verbund souveräner Staaten die Grenzen Europas militärisch gegen Muslime und andere Migranten zu verteidigen.
Solchen Plänen liegt die rechtsextreme Ideologie des „Ethnokulturalismus“ zugrunde, nach der unterschiedliche Völker und Kulturen (Ethnien) möglichst getrennt voneinander leben sollten, um ihre jeweilige Identität zu bewahren. Ein Teilnehmer erschien mit der Odal-Rune auf dem T-Shirt, die in der neurechten Szene für genau diese ethnisch definierte Heimat, aber auch für die NS-Ideologie von „Blut und Boden“ steht, andere vermummten bei der Ankunft feige ihre Gesichter.
Dieser Völkische Nationalismus entspricht exakt der wirren Verschwörungserzählung vom großen Bevölkerungsaustausch, wie ihn vor allem die sogenannte „Identitäre Bewegung“ um Martin Sellner verbreitet. Tatsächlich stellt sich „Ave Europa“ in martialischen Videos in die Tradition der christlichen Kämpfer, die 1683 vor Wien den Vormarsch des Osmanisches Heers stoppten.
Und darum ging es auch in den Diskussionen, auf die sich Vorstandsmitglieder von „Ave Europa“ mit Teilnehmern des Gegenprotests vor den Toren der geschlossenen Jugendherberge einließen: Die Europäische Union sei ein dysfunktionales Gebilde, Muslime seien in Europa nicht erwünscht und straffällig gewordene Migranten müssten remigriert werden. Das ist nichts anderes als Rassismus, verharmlosend gekleidet in intellektuell-elitäre Worte.
Derselbe Angriff auf die Menschenwürde ist längst ein Markenkern der AfD. Faschist Björn Höcke bezeichnete Deutschland schon 2019 als das „Kraftzentrum des europäischen Großraums, von dem die Zurückdrängung des Islams“ auszugehen habe. Das Konzept der Remigration, auch von deutschen Staatsangehörigen mit Migrationshintergrund, liefert dem Bundesverfassungsgericht das entscheidende Argument für ein Verbot der gesichert rechtsextremistischen Partei.
Während sich unter den Protestierenden am Schlosstor nicht einmal zehn Ortenberger Bürger befanden, war der ins Tal verlegte Hock der Feuerwehr am 1. Mai bestens besucht. Wenn die dafür Verantwortlichen Pech haben, buchen die Identitären ab sofort jedes Jahr die Herberge, die sie in Sozialen Medien längst zum Symbolbild für ihren Traum von der „Festung Europa“ gemacht haben. Die lokale Presse durfte an den Veranstaltungen übrigens, anders als von „Ave Europa“ angekündigt, nicht teilnehmen.





