Streiken, Diskutieren, Demonstrieren, Gedenken

Der 8. Mai 2026 in Landau

Der 8. Mai, der Tag der Befreiung vom Faschismus, wurde in Landau auch in diesem Jahr begangen. Vorab war klar: Die antifaschistische Bewegung wollte nicht nur erinnern, sondern handeln; nicht nur Tradition pflegen, sondern neue Wege ausprobieren. Und so stand der Tag unter dem Stern einer klaren antimiliaristischen Prägung, sowie dem Ziel sich aus der linken Blase herauszuwagen.

Ein Schulstreik, der Wellen schlug

Den Auftakt bildete die lokale Version des Schulstreiks gegen die Wehrpflicht. Die Schüler:innen setzten ein deutliches Zeichen gegen Rechtsentwicklung und Militarisierung und zwar so deutlich, dass es ihre Aktion gegen die echtsentwicklung und ihre Helfershelfer:innen bis in die Tagesschau schaffte. Ein Moment, der zeigte, wie bereit die Jugend ist, ihre Wut über die aktuelle gesellschafltiche Lage auf die Straße zu tragen. Einen ausführlicheren Bericht gibt es auf Instagram bei @schulstreikgegenwehrpflicht.ld

Ein Podium mit „Lumpenpazifisten“

Mit dem Schwung des Morgens ging es mittags weiter. Auf dem Marktplatz vor dem Landauer Rathaus veranstalteten wir ein öffentliches Podiumsgespräch zu Krieg und Frieden, das linke Positionen mitten in die Stadt tragen sollte. Vier Redner:innen sprachen über die Friedensbewegung damals und heute, über Frauen im Widerstand, über betriebliche Organisierung und Kriegsdienstverweigerung. Und sie stellten die Frage, die im Raum hing wie ein unausweichlicher Prüfstein: Kann es im Kapitalismus eine Welt ohne Kriege geben? Die Antwort „nein“ reichte aus, um die Militärpolizei auf den Plan zu rufen. Sie löste das Podium auf, beschimpfte die Anwesenden als „Lumpenpazifistenpack“ und erklärte, man wolle sie lieber als „Kanonenfutt… äh, Verteidiger der Demokratie“ an die Front schicken. Dass nicht nur die Aktion am Ende, sondern auch die diskutierten Inhalte zuvor die Aufmerksamkeit von Passant:innen auf sich zogen, bewerten wir als Teilerfolg. Unsere Botschaften konnten ankommen.

Eine Demonstration, die breiter wurde

Am Abend zählte die „traditionelle“ 8. Mai-Demonstration rund 100 Teilnehmer:innen. Das Publikum war sichtbar vielfältiger als in den Vorjahren. Ein breiteres Altersspektrum, neue Gesichter, Menschen, die sonst nicht bei solchen Veranstaltungen auftauchen. Ein Zeichen dafür, dass antifaschistische und antimilitaristische Themen nicht länger nur in einer linken Blase zirkulieren, sondern in der Stadtgesellschaft ankommen. Auf dem Untertorplatz eröffneten klare Worte zur Rechtsentwicklung und zur Bedeutung des Kampfes um die Köpfe. Gerade Menschen, die von gesellschaftlichen Entwicklungen enttäuscht sind, müssen erreicht werden, bevor rechte Kräfte es tun. Es folgte eine Rede zur aktuellen Aufrüstungspolitik und Kriegstreiberei, die an die Botschaft vom Mittag anschloss: Kein Frieden im Kapitalismus. Eine kreative Aktion richtete sich gegen jene, die Kriege planen; gegen die „geschniegelten Männer in feinen Anzügen“, die hinter verschlossenen Türen Entscheidungen treffen, deren Folgen andere ausbaden müssen.

„Damals wie heute: Jugend für Frieden“

Der anschließende Demozug führte durch den Norden, vorbei am Fliegerviertel – in dem viele Straßen unerwarterweise nicht mehr die Namen von Generälen trugen, sondern von Widerstandskämpfer:innen – und endete im Thomas-Nast-Park. Angeführt wurde er von einem Block aus Jung und Alt, der das Motto trug: „Damals wie heute: Jugend für Frieden.“ Ein bewusst gewählter Bezug, der zeigt, dass die Kämpfe der Vergangenheit nicht abgeschlossen sind. Während weltweit wieder aufgerüstet wird, während Kriege eskalieren, wird die historische Mahnung erneut zur Gegenwart. Unterwegs spannten die Teilnehmer:innen ein Band der Solidarität. „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ wurde nicht als Floskel verstanden, sondern als Auftrag, sich entschlossen und solidarisch gegen jede Form von Faschismus und Krieg zu stellen. Und zwar international, über Grenzen hinweg.

Erinnern heißt handeln

Im Thomas-Nast-Park widmete sich der Abschlussbeitrag der Rolle von Frauen im Widerstand. Er erinnerte daran, dass am 8. Mai ein Regime der Barbarei zerschlagen wurde und dass wir heute an einem Punkt stehen, an der wir die Geschichtsschreibung nicht den Barbaren überlassen werden.

Was in den Reden des Abends oft in großen Worten formuliert wurde, brachten Kinder aus dem Viertel in einem spontanen Beitrag auf den Punkt: „Scheiß Nazis, scheiß Krieg.“ Manchmal ist politische Klarheit erstaunlich einfach.

Der Abend klang aus mit einer Ausstellung zu Widerstands-kämpfer:innen, einer Küche für alle, gemeinsamen Liedern und Gesprächen. „Drei rote Pfiffe“ wurde gesungen, ein musikalischer Bogen zurück zum Schulstreik am Morgen, denn die letzten Worte des Liedes mahnen: „Jetzt trampeln sie wieder auf euren Rechten herum. Erinnert euch meiner Geschichte.

Die Mahnung des Liedes wurde einen Tag nach der Demonstration, beim Gedenken am sowjetischen Denkmal und Mahnmal für die Opfer des Faschismus, nochmals unterstrichen.

Was bleibt?

Der 8. Mai hat gezeigt, dass antifaschistische Politik nur dann lebendig bleibt, wenn sie sich weiterentwickelt. Wenn Kriege eskalieren, wenn rechte Kräfte auf den Straßen und in den Parlamenten erstarken, wenn die Welt sich rasant verändert, kann eine Bewegung, die sich dagegenstellt, nicht stehenbleiben. Sie muss neue Wege gehen, neue Zielgruppen ansprechen, ihre Praxis hinterfragen und anpassen.

Der diesjährige 8. Mai war ein Schritt in diese Richtung, ein richtiger Schritt wie wir finden. Und klar ist: Der antifaschistische Kampf geht weiter und er muss immer auch eine klare Position gegen Krieg einnehmen.

Deshalb zählt damals wie heute: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!