Wer dem Profi-Fußball abgeschworen hat und nach lokaler Fußballkultur sucht, der findet rund 70 km westlich von Berlin, in Brandenburg an der Havel, mit der BSG Stahl Brandenburg (kurz BSG Stahl) ein ehemaliges Schwergewicht des DDR-Fußballs. Seit dem Aufstieg 2025 ist der Club in die Brandenburgliga zurückgekehrt und trifft seitdem wieder regelmäßig im Stadtderby auf den ewigen Rivalen, den Brandenburger Sport Club Süd 05, kurz BSC Süd 05. Auch dieser Verein ist für seine Fankultur bekannt, vor allem aber für seine antifaschistische Fanszene.
Beim Derby am 25. Oktober 2025 wurde mit fast 5.000 Zuschauenden ein neuer Rekord der Brandenburgliga aufgestellt. Im Zuge dieses Spiels, wie auch jüngst beim Derby im April 2026, trat aber auch ein Teil der Fanszene der BSG Stahl in Erscheinung, der deutlich der extremen Rechten zuzurechnen ist und um den Verein Strukturen aufbauen konnte, die für Diskussionen sorgten. Die mediale Aufmerksamkeit war groß, auch weil der Trainer im Zuge des Derbys im Herbst 2025 einen Schal aus der Fanszene präsentierte, auf dem u.a. „Stahlgewitter“ geschrieben stand. In den Debatten rund um die Fanszene wirkte es im Nachgang jedoch so, als ob die Neonazis den Fußballverein in der Havelstadt erst jüngst für sich entdeckt hätten. Ein genauer Blick in die Fanszene der BSG Stahl und auf deren Akteure offenbart, dass die Neonazis kein neues Terrain betreten haben, sondern lässt eine Kontinuität erahnen, die bis in die 1990er Jahre zurück führt – in ein Milieu zwischen Hammerskins, «Blood & Honour», RechtsRock und Organisierter Kriminalität. Darauf verweisen lokale Antifaschist*innen immer wieder und das schon seit Jahrzehnten in verschiedenen Publikationen.
Nazi-Skins und die Kameradschaft «Hauptvolk»

Spätestens nach dem Zusammenbruch der DDR fanden sich auch bei der BSG Stahl Brandenburg die ersten Nazi-Skinheads auf den Tribünen ein. Die Havelstadt war damals eine der Hotspots der Neonazi-Szene. Besonders in Erinnerung blieben die dort ausgerichteten RechtsRock-Konzerte in den Jahren 1990-1992. Auf dem Höhepunkt im Mai 1992 hatten sich auf der Freilichtbühne auf dem Marienberg 1400 Neonazis aus ganz Deutschland und darüber hinaus eingefunden, um Bands wie «No Remorse» aus England zu sehen, die die Menge mit Liedern wie „Nigger Hunt“ aufwiegelte.
Auch wenn sich die Groß-Konzerte der Szene ab 1993 auf andere Orte deutschlandweit verteilten, blieben die Neonazi-Skinheads und prägten das Stadtbild immens, auch durch schwere Gewalttaten. Der BSG Stahl blieb die Szene treu, selbst nach dem Ende des sportlichen Erfolgs Mitte der 1990er Jahre. Und so hörte die Gewalt der sogenannten „Baseballschlägerjahre“ nicht auf der Straße auf, sondern wurde im Fall der Fanszene der BSG Stahl im Stadion weiter geführt. Unter dem Namen «Rollkommando Terrormachine» fanden sich damals lokale RechtsRock-Musiker und Personen aus dem Hammerskin- und «Blood & Honour»-Netzwerk (B&H) zusammen, um etwa am 1. Mai 1999 einen Angriff auf die antifaschistischen Fans des BSC Süd 05 zu koordinieren. Kurze Zeit später war es die um die Jahrtausendwende im Westhavelland gegründete, neonazistische Kameradschaft «Hauptvolk», die sich im Stadion einen Namen machte und deren ehemaligen Mitglieder bis heute zu den treuesten Fans des Vereins gehören. Anfang der 2000er Jahre verfügte die Kameradschaft in der Region über mehrere Treffpunkte, zählte fast 50 Mitglieder und fiel durch eine Vielzahl schwerer Straftaten auf, die von der Polizei und den Justizbehörden geduldet wurden. Als letzte Gruppe der „Generation Baseballschlägerjahre“ im Westhavelland wurde die Kameradschaft «Hauptvolk» 2005 vom brandenburgischen Innenministerium verboten. Die Strukturen und Freundeskreise der Neonazis sind bis heute um die Städte Rathenow, Premnitz und Brandenburg an der Havel präsent. Nach dem Verbot fanden sich einige der ehemaligen «Hauptvolk»-Mitglieder im örtlichen NPD Kreisverband Havel-Nuthe wieder, andere betätigten sich im Spektrum rechten Security-Firmen und im kriminellem Rocker-Milieu. Das gemeinsame Besuchen der Spiele der BSG Stahl bringt die verschiedenen Teile dieser Strukturen bis heute zusammen und sorgt für gemeinsame Erlebnisse, oft in Zusammenhang mit dem Ausleben von Gewalt gegenüber Fans anderer Vereine, vor allem denen mit offen antifaschistischer Gesinnung. Darüber hinaus verbringt der gewachsene Neonazi-Freundeskreis in unterschiedlicher Konstellation gemeinsam Zeit auf RechtsRock-Konzerten oder nimmt an Events der Szene wie dem „Tollensemarsch“ teil.
Beim Derby gegen den Stadtrivalen BSC Süd 05 im Oktober 2025 versammelten sich mit Jens Riedel, Sandro Bergner, Mathias Ullrich, Michel Müller, Manuel Zich, André Kettenbach, Horst Enrico Achim, Jan Dannowski und David Liß teils führende Persönlichkeiten der ehemaligen Kameradschaft «Hauptvolk» auf der Tribüne, unweit von der Anzeigetafel entfernt. Im nahen Umfeld hielten sich außerdem die in der Region aktiven Neonazis Sven Arndt, Franz Poppendick und Christian Gobel auf. Gobel, der den Spitznamen „Göbbels“ trägt, ist seit vielen Jahren in der überregionalen Neonaziszene verwurzelt. Schon 2010 fiel er bei einem Landespokalspiel auf, als er versucht hatte den Gästeblock anzugreifen, in dem sich die antifaschistischen Fans des SV Babelsberg 03 befanden. Es blieb nur beim Versuch und Gobel landete in Polizeigewahrsam.
Beim Ausleben der Gewalt gegen den Lokalrivalen und dessen antifaschistisch gesinnte Fans ist der extrem rechte Teil der Fanszene auch durchaus bereit bei anderen Vereinen und Fanszenen anzudocken. So besuchten u.a. ehemalige Mitglieder der Kameradschaft «Hauptvolk» – Frank Peter Furchtmann, Mathias Ullrich, Brian Friedrichs, Michel Müller und André Kettenbach – ein Spiel des BSC Süd 05 gegen den BSC Preußen 07 am 07. März 2026. Während des Spiels provozierten die Neonazis die gegnerischen Fans. Nach sexistischen Sprüchen und antisemitischen Beschimpfungen eskalierte die Situation und es kam zu einer größeren körperlichen Auseinandersetzung. Dabei flogen Bierbecher und allerlei herum-stehende Dinge. Unterstützt wurden die genannten Personen von den bekannten lokalen Neonazis Marco Barsch und Rene Frederich. Mit der durchaus erfolgreichen Gegenwehr der BSC Süd 05-Fans hatten die Neonazis jedoch offenbar nicht gerechnet. Barsch und Frederich umgaben sich schon beim Derby im Oktober 2025 im Block mit den bekannten Personen der ehemaligen Kameradschaft «Hauptvolk».
An diesem Tag befand sich außerdem Gerome Kreissl in unmittelbarer Nähe zum Stadion. Rein durfte er nicht, da ihm der BSC Süd 05 ein Hausverbot erteilt hatte. Kreissl, der unter dem Namen «Jugin Dagwz» als Rapper Musik macht, fiel schon zum Derby im Oktober 2025 auf, als er in einem Schweins-Kostüm auf dem Zaun saß und damit wohl die gegnerischen Fans provozieren wollte – „Süd Schweine raus“ und „Süd-Schwein verrecke“ sind schließlich oft genutzte Sprüche, um die Fans des BSC Süd 05 zu diskreditieren. Wenn sich Kreissl nicht im Stadion verdingte, war er zwischenzeitlich an der Seite des rechten YouTubers «Ketzer der Neuzeit» zu beobachten, wie er für diesen offenbar als Personenschützer tätig war.

Auch überregional organisierte Neonazis finden sich regelmäßig bei den Spielen der BSG Stahl ein. Etwa Michael Lorenz, Spitzname „Wüste“, der aus Chemniz (Sachsen) stammt und mittlerweile in Südbrandenburg wohnhaft ist. Er gehörte in den 1990er Jahren dem sächsischen B&H-Ableger an und ist bis heute in der europäischen RechtsRock-Szene aktiv. Er wirkte schon bei Bands wie «Brainwash» und «Blitzkrieg» mit und zupft seit vielen Jahren bei der NS-verherrlichenden Band «Blutzeugen» den Bass. Neben dem bereits erwähnten Christian Gobel, gehört auch Matthias Neitsch zum engeren Freundeskreis von Lorenz. Der Magdeburger Neonazi begleitete Lorenz’ Band «Blutzeugen» schon häufig zu Konzerten, die größtenteils im Ausland stattfinden. U.a. mit Michel Müller und Björn Jähngen aus Merzdorf (Südbrandenburg) besuchte Neitsch im November 2025 ein B&H-Konzert in Portugal, wo Lorenz mit «Blutwolves» (ein Tribut an die spanische Neonazi-Kultband «Estripe Imperial») auf der Bühne stand, neben anderen deutschen RechtsRock-Bands wie «Noie Werte» und «Frontalkraft». Neitsch und weitere Personen aus dem Freundeskreis um Lorenz, war im März 2026 an den Auseinandersetzungen mit Fans der BSC Süd 05 beteiligt. Während sich Neitsch dort mit einem „Olympische Spiele 1936“-Shirt präsentierte, waren andere mit Shirts aus dem Verkaufsangebot des neonazistischen Labels «OPOS Records» aus Südbrandenburg bekleidet. Auch der bekannte Neonazi Andy Hoffmann (geb. Knape) aus Magdeburg (Sachsen-Anhalt) war im März 2026 Teil der gewaltsuchenden Gruppe. In den 2000er Jahren war Hoffmann Vorsitzender der «Jungen Nationalisten» (JN) in Sachsen-Anhalt und später sogar Bundesvorsitzender der JN, der Jugendorganisation der NPD (heute «Die Heimat»). Hoffmann ist seit vielen Jahren mit den Neonazis aus der Fanszene der BSG Stahl verbunden und ist bekannt für Gewalttätigkeiten gegen den selbsternannten politischen Gegner.
Mitten drin statt nur dabei? – Anschluss bei den großen rechten Fanszene
Neben der BSG Stahl besitzt vor allem der Berliner Fußballclub Dynamo (Kurz BFC Dynamo) für Neonazis aus der Region Westhavelland eine starke Anziehungskraft. Vor allem bei Risiko-Spielen finden sich Teile der rechten BSG Stahl-Anhängerschaft im Fanblock des Berliner Traditionsclubs ein, der selbst auch für seine rechte und gewalttätige Fanszene bekannt ist. Die Hochzeit dieser (einseitigen) Freundschaft beider Fanszenen dürfte Anfang der 2010er Jahre gelegen haben, wo eine Sektion rechter BSG Stahl-Fans gar eine Mannschaft beim „Mike-Polley-Gedenkturnier“ stellen durfte, das die Fanszene des BFC Dynamo jährlich organisiert. Auch hing 2014 zu einem Spiel des BSC Süd 05 gegen den BFC Dynamo ein Banner, dass auf die BSG Stahl-Fans beim Berliner Club aufmerksam machte. Zum Spiel selbst fanden sich im Gästeblock der Berliner, Neonazis wie Mathias Ullrich, Rene Frederich und Stefan Rietz ein. Letzterer gehörte dem B&H-Netzwerk an und war, wie Michel Müller, in den 2010er Jahre im Brandenburger Landesvorstand der NPD aktiv. Aus diesem Milieu stammt auch Henning Pradel (geb. Klinz), der beim erwähnten Spiel des BFC Dynamo in 2014 ebenfalls Teil der Neonazi-Gruppe war. Ende der 1990er Jahre war er im Brandenburger B&H-Ableger aktiv und unterhielt engsten Kontakt zum V-Mann und Neonazi-Kader Carsten Szczepanski. Auch nach Sachsen besaß Pradel besondere Verbindungen und soll bei Jan Werners Neonazi-Label «Movement Records» aus Chemnitz gearbeitet haben. Mit Werner, wie auch mit Szczepanski, tauschte sich Pradel auch immer wieder zu Waffen aus. Pikant, denn Werner und das sächsische B&H-Netzwerk galten als wichtigste Unterstützer der rechts-terroristischen Gruppe «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU). Henning Pradel besuchte zuletzt das Stadtderby im Stadion des BSC Süd 05 im April 2026. Bekleidet war er mit einem „Hate St. Pauli – Love Football“-Shirt.
Neben dem BFC Dynamo stellt vor allem die faschistische Fanszene des italienischen Vereins S.S. Lazio Sehnsuchtsort für die Neonazis aus dem Westhavelland dar. So reisten mehrfach Personen aus dem Freundeskreis BSG Stahl/BFC Dynamo nach Rom, um dort Spielen von S.S. Lazio bei zu wohnen und sich mit den Anhängern der «Irriducibili Lazio» zu treffen, die seit 2020 formal nur noch als «Ultras Lazio» auftreten. Personen aus dem extrem rechten Fanlager von S.S. Lazio, des BFC Dynamo und des 1. FC Lokomotive Leipzig bilden sogar eine eigene Fangruppierung, die «Legion Germania». Eine Fahne der «Irriducibili Lazio» hing wiederum beim Derby im letzten Oktober 2025 am Zaun in dem Bereich, in dem sich die vielfach genannten ehemaligen Mitglieder der Kameradschaft «Hauptvolk» befanden. Mit der Fahne posierten die Neonazis zudem für ein Gruppenfoto für Social Media. Zu sehen ist dort auch Stephan Haidt, der seit Mitte der 2010er Jahre den «Hammerskins Brandenburg» angehört. Die Neonazi-Gruppe ist weltweit vernetzt und seit über 35 Jahren in Deutschland aktiv. Einen Ableger in Brandenburg führte die „Bruderschaft“ schon Mitte der 1990er Jahre. Dessen damaliger Anführer Patrick Curths gehörte dem «Rollkommando Terrormachine» an, das wie eingangs beschrieben eng mit der Fanszene des BSG Stahl verbunden war. Die Hammerskins wurden im September 2023 deutschlandweit verboten, klagten jedoch gegen das Vereinsverbot und gewannen letztlich im Dezember 2025 die Klage. Ob verboten oder nicht: Haidt war seit Neugründung des Ablegers in Brandenburg durchgehend Teil der sich elitär gebenden Gruppierung. Zuletzt nahm er am „European Hammerfest“ im November 2025 in Mailand (Italien) teil. Auch Haidts Mitstreiter bei den «Hammerskins Brandenburg», Markus Petzold aus Rathenow, war schon 2014 bei Spielen der BSG Stahl und gehörte oft zum Anhang Haidts bei Heim-und Auswärtsspielen des BFC Dynamo. Nicht selten formierte sich eine Gruppe im alten Stadion des BFC Dynamo in Berlin-Prenzlauer Berg, der Hammerskins aus dem Ablegern «Berlin» und «Brandenburg» angehören. Bis heute sind vor allem Oliver Schubert, René Häberle und Martin Kühlich von den «Hammerskins Berlin» mit dem BFC Dynamo eng verbunden.
Beim BFC Dynamo, wie auch bei der BSG Stahl, fällt darüber hinaus der Neonazi André Schmidt an den Spieltagen auf, schon wegen seiner großflächigen Gesichts-Tattoos. Er gehört zum engeren Freundeskreis von Michael Lorenz und Christian Gobel und nimmt regelmäßig an Neonazi-Aufmärschen teil. Etwa am geschichtsrevisionistischen „Trauermarsch“ im Februar 2025 in Dresden, mit David Liß und Lorenz an seiner Seite.

Während der Corona-Pandemie war Schmidt Teilnehmer der rechten „Brandenburg steht auf“-Proteste gegen die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie. Dort umgab er sich u.a. mit Dino Ulf Kaspritzki aus Brandenburg an der Havel, Mitglied des 2022 gegründeten «Hells Angels MC Eastfront» (HAMC Eastfront). Um 2020, damals noch als Mitglied des «Hells Angels MC Potsdam», nutzte Kaspritzki mit weiteren Angehörigen des Motorradclubs das Clubhaus des «Red Devils MC» in Brandenburg an der Havel für Kampfsport-Trainings. Angeleitet wurden diese Trainings vom Potsdamer Versicherungsvertreter Steven Zupp, der als aktiver Teil der rechten Hooligan-Szene des BFC Dynamo bekannt ist. Dem «Red Devils MC» soll in den 2010er Jahren auch Rene Frederich angehört haben. Auch der HAMC Eastfront besitzt über Strahlkraft in die lokale Neonazi-Szene. Einzelne Mitglieder dieses Ablegers des weltweit organisierten Motorradclubs (MC) entstammen der Szene und pflegen dort noch heute beste Kontakte. Zur Eröffnung des Clubhauses des HAMC Eastfront in Rädel bei Potsdam im Mai 2025 fanden sich etliche bekannte Neonazis ein. Offizielle Unterstützerbekleidung des MCs trugen auch Neonazis bei Störversuchen gegen die CSD-Parade 2024 in Rathenow. Eine namentlich unbekannte Person, die auf Social Media als Model für Support-Bekleidung des HAMC Eastfront tätig ist, befand sich zudem im Pulk der Neonazis, die im März 2026 Fans des BSC Süd 05 beim Spiel gegen BSC Preußen 07 angegriffen hatten.
Der „Stahlgewitter“-Schal

Nach dem Derby im Oktober 2025 wurde nicht nur die hohe Zuschauerzahl und der Sieg der BSG Stahl thematisiert. Verschiedene Medien und Beobachter wurden auf eine Szene nach dem Spiel aufmerks hochhieltam, in der der Trainer der BSG Stahl, Robert Pocrnic, einen Fan-Schal mit der Aufschrift „Stahlgewitter“ in den Vereinsfarben und mit dem Logo der BSG Stahl bestückt, während der Siegesfeier hochhielt. «Stahlgewitter» ist der Name einer der bekanntesten deutschen RechtsRock-Bands. Dass der Trainer, der bei der Berliner Polizei arbeitet, nicht wusste was für einen Schal er dort hochhielt, kann glaubhaft sein. Dass die Verantwortlichen des Vereins und deren Umfeld den Ursprung des Schals nicht ermitteln konnten, ist jedoch weniger glaubhaft. Denn bereits in den 2000er Jahren hing in der Kurve der BSG Stahl regelmäßig ein Transparent mit der Aufschrift „Stahlgewitter“, das auf Rene Frederich zurück zu führen ist. Eben dieser Frederich ist seit Jahren für die Produktion von Fanartikeln mit der Aufschrift „Stahlgewitter“ bekannt und nutzt für seine Designs auch den Slogan „Süd Schweine raus“, sowie den Code „U.N.V.S.R.“ – „Und niemals vergessen: Südschweine raus“. Der Slogan „Süd-Schwein verrecke“ prangte wiederum auf der Rückseite der besagten „Stahlgewitter“-Schals.
Frederich ist seit den 1990er Jahren als gewalttätiger Neonazi bekannt. Gemeinsam mit Thorsten Proksch, der ebenfalls Anhänger der BSG Stahl ist, zählte er vor der Jahrtausendwende zum engeren Kreis um die «Hammerskins Brandenburg» um Patrick Curths. Auch noch viele Jahre später ist Frederich mit der BSG Stahl eng verbunden und ist gar als Security im Stadion tätig. Bilder aus 2020 zeigen ihn als Mitarbeiter der «Alpha Security». Zuletzt wurde er im Stadion der BSG Stahl beim Derby im September 2022 gegen den BSC Süd 05 als Ordner/Security wahrgenommen, gemeinsam mit dem bereits erwähnten Neonazi André Schmidt.
Beim Derby im Oktober 2025 war eine andere Sicherheitsfirma im Stadion in Brandenburg an der Havel tätig, nämlich die Firma «Safe». Nicht weniger problematisch, denn kein geringerer als Marcel Zech aus Barnim (Brandenburg) war bei diesem brisanten Spiel als Security eingesetzt. Zech ist seit vielen Jahren in der Neonazi-Bruderschaft «Barnimer Freundschaft» aktiv und ist Teil der neonazistischen Kampfsportszene. So war er etwa im Mai 2023 in die Organisation der «European Fight Night» in Ungarn involviert und betreute dort offenbar die Kämpfer. 2018 war er mit der «Barnimer Freundschaft» maßgeblich an der Durchführung eines RechtsRock-Großevents in Apolda beteiligt, das in einer größeren Auseinandersetzung mit den anwesenden Polizeikräften endete. Wie Zech gehörte auch Florian Ullrich der Kameradschaftsszene der 2010er Jahre an. Erst jüngst im April 2026 besuchte Ullrich, der als Anhänger des 1. FC Union Berlin bekannt ist, das Stadtderby in Brandenburg an der Havel. Schon vor über zehn Jahren war er im Umfeld der NPD in Bad Belzig aktiv, 2020 lief er bei einem Aufmarsch der Neonazi-Partei «Der III. Weg» in Berlin mit. Im Februar 2026 konnte er als Teilnehmer des geschichtsrevisionistischen und NS-verherrlichenden „Ausbruch 60“-Leistungsmarsches in Budapest (Ungarn) wahrgenommen werden.
Nachwuchs
Als sich im Sommer 2025 deutschlandweit vermehrt Jugendliche zu extrem rechten Gruppen formierten, gründete sich in Brandenburg an der Havel die «Deutsche Jugend Brandenburg » (DJB). Erstmals öffentlich als Gruppe trat diese im April 2025 auf Social Media in Erscheinung. Kurze Zeit später, am 8. Mai 2025, folgte ihre erste und letzte eigenständige Aktion. Als 17-köpfige Gruppe störten und provozierten sie eine Gedenkveranstaltung anlässlich des Tags der Befreiung am Sowjetischen Ehrenmal mit lauten Parolen wie „Ob Ost, ob West, nieder mit der roten Pest!“. Bereits nach wenigen Monaten zerfiel die Gruppe, auch aufgrund Beziehungsstreitigkeiten. Teile der Gruppe dürften sich über AfD-Veranstaltungen in der Havelstadt, über Freundeskreise und nicht zuletzt durch die extrem rechten Proteste gegen die CSD-Paraden im Osten Deutschlands kennengelernt haben. Unter anderem nahm Lennox A. im August 2024 an einem Neonazi-Aufmarsch in Magdeburg teil. Ob er seine MitstreiterInnen radikalisierte ist unklar. Sicher ist, dass A., Louis K., Cisco B., Justin M. und einige weitere Jugendliche, die für die Zeit des Bestehens der DJB und deren Umfeld zuzurechnen sind, im März 2025 am Neonazi-Aufmarsch am Berliner Ostkreuz teilnahmen. Seit dem zahlenmäßigen Rückgang der größeren Aufmärsche jugendlicher Neonazis, bewegen sich einige der Jugendlichen im Umfeld der AfD und nehmen (wieder) an Veranstaltungen der Partei, wie dem „AfD Jugendabend“ im Oktober 2025 in Brandenburg an der Havel, teil.

Besonders Louis K. und Cisco B. scheinen in der Havelstadt immer wieder auf der Suche nach „Action“ zu sein. Schon am 1. Mai 2025 fanden sie sich am Rande einer linken Kundgebung provokativ ein und filmten die Teilnehmenden. Auch beim A-Junioren Derby der BSG Stahl gegen den BSC Süd 05 am 19. April 2025 im Stadion am Quenz provozierten die beiden in der Halbzeitpause die BSC Süd Fans. Nachdem sie dort dann recht schnell die Beine in die Hand nehmen mussten, bauten sie sich erneut nach dem Spiel, unterstützt durch Lennox A., vor der gegnerischen Fanszene auf. Eine Konfrontation blieb jedoch aus. Spätestens seit dem Niedergang der DJB sind besonders Louis K., Yanic K., Lennox A., Justin M. und Cisco B. in den Fankurve der BSG Stahl zu finden. Mit ihren extrem rechten ideologischen Versatzstücken scheinen sich die Jugendlichen gut aufgehoben zu fühlen, sind doch auch sie ideologisch flexibel. Besonders zur AfD wird ein guter Kontakt gepflegt und so verwundert es kaum, dass auch AfD-Politiker wie Lennart Krakow, der als Mitarbeiter eines Abgeordneten des Bundestags bekannt wurde, im Stadion der BSG Stahl gern gesehene Gäste sind. Zum Derby im Oktober 2025 präsentierte auch Krakow den „Stahlgewitter“-Schal mit der Losung „Süd-Schwein verrecke“. Unweit von ihm sammelte sich am Spieltag im Übrigen der beschriebene rechte Nachwuchs um Louis K. Es ist nicht das erste Mal, dass Krakow mit mangelnder Distanz auffällt. Schon um 2023 fiel er auf, als seine Partnerin auf Scoial Media ein Video teilte, das Krakow mit NS-verherrlichende Wohnzimmer-Deko zeigt: ein Kissen mit Reichsadler und dem Symbol der sogenannten „Schwarzen Sonne“.
Sensibilisierung statt Toleranz
„In jedem Bus sitzen auch immer drei Blöde. Und ein solcher muss dieses Teil erstellt haben“, kommentiert der Präsident der BSG Stahl die Existenz des „Stahlgewitter“-Schals im Nachgang des Derbys im Oktober 2025 und relativiert damit den Einfluss der Neonaziszene auf den Verein.
Verbreitung finden die rechten Fanartikel im Stadion auch weiterhin nach der medialen Aufmerksamkeit um den Schal. Erst kürzlich zum Derby im April 2026 trugen einige Fans Shirts und Pullover mit dem „Stahlgewitter“-Schriftzug. „Ich freue mich, dass Brandenburg an der Havel eine so lebendige Sportkultur hat. Sie verbindet Menschen über Generationen hinweg (…)“, schrieb der damalige Bürgermeister der Havelstadt (CDU) im Rahmen des Derbys im Oktober 2025 auf Social Media. Sicher meint er nicht die Neonazis, die sich in der Fanszene der BSG Stahl seit über 30 Jahren breitmachen konnten und doch passt diese Aussage vortrefflich auf diese Tatsache.
Damit die Fankultur bei der BSG Stahl tatsächlich wieder im positiven Sinne erwähnenswert wird, muss der Verein gründlich aufräumen: Stadionverbote für Neonazis, geschultes Sicherheitspersonal, das Neonazi-Marken und rechte Fanartikel erkennt, sowie eine Sensibilisierung der Fanszene durch Workshops könnte hier behilflich sein. Die Produktion der „Stahlgewitter“-Artikel könnte der Verein vermutlich sogar untersagen. Darüber hinaus sollten Sponsoren überprüft werden, damit auch an dieser Stelle keine dubiosen Netzwerke entstehen können. Ein Sponsoring des Nachwuchses der BSG Stahl – die „Stahlschmiede“ – durch die Lamprecht GmbH aus Rathenow im November 2023, hätte so vermieden werden können. Geschäftsführer ist dort nämlich der langjährig aktive und hier mehrfach erwähnte Neonazi Michel Müller.
Dieser Artikel stammt von „EXIF – Recherche & Analyse“. Die Genoss:innen bei EXIF schreiben sehr tiefgreifende und ausführliche Recherche-Artikel über faschistische Strukturen, in denen trotz großer Menge harter Fakten der analytische Teil nicht zu kurz kommt.









































