„Antifaschismus ist mehr als der Abwehrkampf gegen Rechts“

Für uns Antifaschist:innen ist der 9. November ein wichtiger Gedenktag. Auch wenn inzwischen die Zeit vorangeeilt ist, ist es uns ein zentrales Anliegen unsere Gedanken zum 9.11., wenn auch verspätet zum Jahresende im Dezember, zu teilen.

Gedenken bedeutet auch zielgerichtet auf die Gegenwart zu schauen. In der Konsequenz ist Antifaschismus heute weit mehr als der Abwehrkampf gegen Rechts. Antifaschismus ist ein wichtiger Teil unserer eigenen Antwort auf die aktuelle Misere. Gerade jetzt sind wir gefordert, den Widerstand gegen die herrschende Verhältnisse, den Widerstand gegen den Sozialabbau, gegen den neuen deutschen Kriegskurs, gegen Aufrüstung und Abschottung mit dem Kampf gegen Rechts zu verbinden – für eine allgemein linke Perspektive.

Eine Lehre der Geschichte ist es, zu unterscheiden: Zwischen denjenigen an der Parteispitze, die neoliberale Elendsverwaltung und rechte Realpolitik betreiben. Und denjenigen, die an der Basis aufrichtig gegen den aufkommenden Faschismus kämpfen. Letzteren sollten wir die Hand ausstrecken. Zum gemeinsamen Kampf gegen die faschistische Gefahr, gegen die Kriegstreiberei, gegen Sozialabbau und für eine Perspektive jenseits der gesellschaftlichen Spaltung in Arm und Reich.

Natürlich gibt es auch heute noch Antisemitismus im Land. Man denke an Roland Kochs „jüdische Vermächtnisse“, an Oettingers Grabrede auf den Nazi Filbinger, an Aiwangers Flugblätter und vieles mehr. Antisemitismus ist seit ihrer Gründung Teil bundesdeutscher bürgerlicher Politik, von FDP bis zur Union. Dort, tief in der bürgerlichen Mitte sitzt der Antisemitismus und es sind maßgeblich diese Kreise, die heute den Begriff des Antisemitismus als politische Waffe gegen den legitimen Widerstand gegen den Völkermord an den Palästinenser:innen nutzen. Wer heute von „importiertem Antisemitismus“ spricht, dessen Ziel ist es, die rassistische Spaltung der Geschichte zu vertiefen.

Der Kampf um die Straße ist nicht einfach, er fordert von uns über Grenzen zu gehen. Er ist unangenehm. Aber es ist eine zentrale Lehre der deutschen Geschichte, dass es konkreten und handfesten Widerstand gegen den faschistischen Straßenterror braucht.

In diesem Sinne werden wir auch im neuen Jahr auf die Straße gehen und rechte Kräfte dort bekämpfen, wo sie auftauchen – weil es notwendig ist. Kommt zum offenen Treffen, beteiligt euch am antifaschistischen Kampf, werdet gemeinsam mit uns aktiv.


Das AABS – Antifaschistisches Aktionsbündnis Stuttgart & Region prägt seit über 20 Jahren die antifaschistische Arbeit in Stuttgart maßgeblich mit. Gemeinsam im Bündnis Stuttgart gegen Rechts und in weiteren Initiativen und Zusammenschlüssen organisiert es Proteste, veranstaltet Bildungs- und Kulturangebote und bringt sich ein in Mobilisierungen und Aktionen über das „antifaschistische Kerngeschäft“ hinaus. Die Rede des AABS auf der Cannstatter Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht haben wir hier gespiegelt. Das nächste offene Treffen des AABS findet am 8. Januar 2026 im Linken Zentrum Lilo Herrmann statt.

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