Jugendherberge Schloss Ortenberg wird zur Festung Europa

Mit „Ave Europa“ kommt eine rechte Denkfabrik in die Ortenau, um Strategien zur Umgestaltung der Europäischen Union zu beraten. Vom 1. bis zum 3. Mai treffen sich 140 Rechte aus ganz Europa zu ihrer Vollversammlung auf Schloss Ortenberg.

„Ave Europa“ ist eine paneuropäische Bewegung, die die EU beseitigen und ein Gebilde „Vereinigter Staaten“ errichten will. Als „wertkonservatives Gegenstück“ zu „Volt“ strebt sie eine militärisch starke „Festung Europa“ mit geschlossenen Grenzen an. Die Bewegung wurde 2025 in Litauen begründet und existiert in Deutschland seit November als Verein mit Sitz in Stuttgart.

Der vor wenigen Wochen bereits wieder zurückgetretene Vorstandssprecher hat öffentlich auf eine Infiltrierung des Vereins durch rechtsextreme Kräfte und auf eine Radikalisierung hingewiesen, die einen antidemokratischen und identitären Ethnokulturalismus nach den Vorstellungen Martin Sellners vertritt.

Gegen seinen Willen seien zu der Versammlung in Ortenberg Gastredner der AfD und der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) eingeladen worden; seiner Aussage nach glauben einige Teilnehmer sogar, dass es für Europa besser wäre, wenn Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte.

Hauptredner ist der belgische Historiker und neurechte Vordenker David Engels aus Brüssel, der in Büchern und in rechten Zeitschriften wie „Cicero“ und „Sezession“ seine Thesen zum Niedergang Europas verbreitet und sich gegen die Prinzipien des demokratischen Verfassungsstaates richtet.

Außerdem dabei: der rechtsextreme AfD-Stadtrat Tim Schramm aus Wuppertal, der als Veteran des Ukraine-Kriegs auch Verbindungen in die neonazistische Szene pflegt, der neurechte FPÖ-Politiker Nikolaus Muchitsch aus Wien, ebenfalls freiwillig im Ukraine-Krieg tätig und mit Verbindungen zu Neonazis und zur „Identitären Bewegung“, oder Paul Wenzel aus Zell am Harmersbach, politischer Aktivist mit Abschluss an der Hochschule Offenburg, der als stellvertretender Vorsitzender von „Ave Europa“ auftritt.

Verantwortliche des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) betonen, dass man „Ave Europa“ bei der Aufnahme in den Verband sorgfältig geprüft habe. Angeblich haben sich dabei keine Erkenntnisse, Verdachtsfälle oder Einträge beim Verfassungsschutz ergeben, die gegen eine Aufnahme in den DJH und die Durchführung der Veranstaltung sprechen. Die neurechte Organisation mit ihrer ausländerfeindlichen Agenda bewegt sich demnach innerhalb der Werte und Leitplanken des angeblich politisch neutralen DJH.

In Brüssel betreiben weitere Thinktanks die Vernetzung rechtsextremer Akteure aus ganz Europa. Erst im Januar traten beim „Charlemagne Club“ die AfD-Europaabgeordneten René Aust, Petr Bystron und Tomasz Froelich auf, der zurzeit stellvertretender Sprecher des AfD-Kreisverbands Ortenau ist. Bei der von ihm moderierten Veranstaltung war neben Engels auch der belgische Rechtsextremist Robert Steuckers dabei.

In der Einladung hieß es dort:

„Die Barbaren stehen vor den Toren: Der Ansturm feindlicher Ausländer, die die Völker Europas ausbeuten, demütigen und unterwerfen wollen, nimmt an Intensität zu. Dies ist ein entscheidender Moment für alle Europäer, die zunehmend erkennen, dass wir nur durch gesamteuropäische Zusammenarbeit Migranten standhalten können, die uns das Schlimmste wünschen.“

Das aber ist der propagandistische Kern der sogenannten „Identitären Bewegung“ (jetzt „Aktion 451“, siehe https://aktion451.at) und der AfD-Jugend „Junge Alternative“ (jetzt „Generation Deutschland“). Und diesem jugendlichen Publikum entsprechend sind am Rande der Tagung in Ortenberg Wanderungen und Liederabende mit Lagerfeuer angekündigt. Damit wird Schloss Ortenberg zu einem Hotspot neurechter Aktivitäten.