Am Wochenende des 29. November 2025 kam es in Gießen zur offiziellen Gründung der Generation Deutschland. Die Gründung in den einzelnen Bundesländern folgt kurz darauf. So gibt es seit dem 14.12.25 offiziell den Landesverband Rheinland-Pfalz, am Samstag darauf den 20.12.25 folgte der Landesverband Bayern. Anfang des Jahres am 21.01.26 zogen die Landesverbände Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein nach. Gleich darauf gründeten sich am 07.02.26 die Landesverbände Berlin und Brandenburg. Ausstehend ist die Gründung des Landesverband Hessen am 28.03.26 in Fulda.
In unserer Analyse wollen wir skizzieren, wie wir die Generation Deutschland politisch einschätzen. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf dem zukünftigen Führungsstab der Jugendorganisation, sowie deren Verstrickungen zu anderen rechten Organisationen. Die vorliegende Analyse sehen wir nicht als abgeschlossen an, sondern als lebendiges Papier, aus dem sich praktische Rückschlüsse ergeben sollen.

»Generation Deutschland«-Delegierte mit Thüringer AfD-Landeschef Höcke in Gießen: Verbindungen zu Neonazis Foto: Rafael Heygster / DER SPIEGEL
Ausgangslage
Zuvor wollen wir einen Blick in die Vergangenheit werfen und darstellen, warum die AfD überhaupt mit einer neuen Jugendorganisation an den Start geht. Gestartet hat diese Debatte bereits 2023, in diesem Jahr feierte die Junge Alternative (JA) bereits ihr zehnjähriges bestehen. Zu dieser Zeit besetzte die JA wichtige Position innerhalb der Gesamtpartei und preschte mit ihren rechtsradikalen Ideen immer weiter vor. Schon damals konnte man die inhaltlichen sowie personellen Überschneidungen mit rechten und faschistischen Kräften, wie beispielsweise der Identitären Bewegung (IB), den Freien Sachsen und der Heimat (ehemals NPD) erkennen. Diese Entwicklung führte unter anderem dazu, dass im Jahr 2023 die JA vom Verfassungsschutz als „rechtsextremistisch“ eingestuft wurde. Diese Einstufung sorgte innerparteilich für einige Spannungen; viele Funktionäre sahen durch die Einstufung ein potenzielles Sicherheitsrisiko für ihre Mutterpartei. Ein mögliches Verbot würde sich unweigerlich auf die Gesamtpartei auswirken, auch wenn die JA formal, als unabhängiger Verein fernab der Mutterpartei gelistet war. Man kann also davon ausgehen, dass die Neugründung der Jugendorganisation auf den ersten Blick nur Mittel zum Zweck war, um eine mögliche Verbot aus dem Weg zu gehen. Durch die Auflistung als Verein hätte die JA unweigerlich weniger Schutz vor einem möglichen Verbot, als beispielsweise eine eigene offizielle Parteijugend. Neben den Verbotsverfahren war zu beobachten, dass insbesondere die Parteispitze keine wirkliche Kontrolle mehr über die Jugendorganisation hatte und dies schnellstmöglich wieder in den Begriff bekommen wollte, ob dieser Wunsch in Erfüllung geht bleibt fraglich. Die Chance die JA aufzulösen war lediglich ein Versuch, die Fassade einer regierungsfähigen Partei zu bewahren und sich nach außen hin wieder seriöser und für die Mitte der bürgerlichen Gesellschaft als anschlussfähig zu repräsentieren. Schlussendlich folgte im März 2025 die offizielle Auflösung der Jugendorganisation, ein dreiviertel Jahr später kam es dann zur Neugründung der Generation Deutschland. Aber wie unterscheidet sich die neue Jugendorganisation Generation Deutschland von der Jugendalternative und ist diese wirklich gemäßigter wie von der Mutterpartei suggeriert?

Die neue Kaderschmiede der AfD
Auf dem Gründungswochenende erhalten wir erste Antworten auf die Frage, und bereits im vorhin prognostizierten unterschiedliche Stimmen, dass Mäßigung nicht das gewählte Mittel sei, an dem sich die Generation Deutschland zukünftig orientieren wird. Insbesondere ist abzuwarten, welche Rolle die Jugendorganisation auf der Straße einnehmen wird, und ob sie es schafft die aktuell noch größtenteils unkoordinierte rechte Jugendbewegung unter ihrer Fahne zu organisieren. Um dieser These nach zu gehen, ist ein kurzer Blick auf die zukünftige Führung der Jugendorganisation essenziell. Auffällig ist, dass durch die Bank weg, so gut wie alle Akteure Verbindungen und Kontakte zur Identitären Bewegungen, Jungen Nationalisten, rechten Burschenschaften oder anderen Organisationen der extremen Rechten haben. Diese Verbindungen treffen auch bei dem neuen Bundesvorsitzenden der Generation Deutschland, Jean-Pascal Hohm zu, der beste Kontakte zur Identitären Bewegung und zu rechten Burschenschaften wie der „Salamandria“ pflegt. Neben den Kontakten zur extremen Rechten, beteiligt sich Hohm immer wieder an Protesten gegen Geflüchtete und organisierte im Jahr 2015 erste Hetzdemonstrationen in seinem Heimatdorf Zossen. In diesem Zusammenhang wurde er immer wieder von Andreas Kalbitz unterstützt, welcher als Mitbegründer der Jungen Alternativ gilt und Delegationsreisen zu neofaschistischen Gruppen in Italien oder rechte Seminare im „Institut für Staatspolitik“ koordiniert. Daneben mischte Hohm auch bei den Corona-Protesten in Cottbus mit und nahm dort eine führende Rolle ein. Während der Demonstration lief er mit vermummten Neonazis an der Spitze des Aufzugs und stimmte immer wieder rassistische und verschwörungstheoretische Parolen mit dem Megaphone an. Neben diesen Vorkommnissen war Hohm in der jüngsten Vergangenheit immer wieder bei Vernetzungstreffen der rechten Szene anzutreffen. Beispielsweise im Oktober 2018, als sich in Rom Aktivisten der Identitären mit Mitgliedern der italienischen neofaschistischen Organisation Case Pound trafen oder im September 2025 bei dem Vernetzungstreffen des Jungeuropa Verlags Freital, bei dem neben IB-Kader:innen auch zahlreich NPD-Politiker sowie weitere reche Kräfte aus Kameradschaften zusammen kamen. In diesem Kontext ist es weniger überrascht, dass Hohm ganz offen die AfD als parlamentarischen Arm der faschistischen Bewegung bezeichnet, mit dem Versuch das Netz der Mosaik-Rechten weiter auszubauen. Dies unterstrich er abermals mit folgendem Zitat:
„Wir sind Teil einer Bewegung: Pegida auf der Straße, die Identitären auf dem Brandenburger Tor und die AfD im Parlament.“
Dieses Zitat steht stellvertretend für den Kurs den die Generation Deutschland in Zukunft einschlagen wird. Interessant zu beobachten ist das neben Hohm auch die stellvertretenden Bundesvorsitzenden Jan Richard Behr, Adrian Maxhuni und Patrick Heinz ähnliche Vorhaben bereits zu ihrer JA-Zeit anstrebten.

Auch die Personalentscheidungen bei den Landesverbänden machen deutlich, dass der völkisch-nationalistische Kurs weiter beibehalten wird. So bleibt das Führungsduo in Thüringen erhalten mit Carolin Lichtenfeld an der Spitze und Eric Engelhardt als Stellvertreter. Lichtenheld ist dem völkischen Lager zuzuordnen und plädierte beim Gründungskongress offen für einen nationalistischen Kurs. Die Nähe zu Björn Höcke und seine Unterstützung beim Aufbau der neuen Jugendorganisation ist offenkundig und richtungweisend. Und auch in NRW setzt sich der völkische Kurs fort. Hier wird mit Unterstützung von Matthias Helferich sein Ziehsohn Luca Hofrath zum Vorsitz gewählt. In Schleswig-Holstein sieht es nicht anders aus, so ist mit Jasper Gabriel jemand an der Spitze, der bereits wegen einem Angriff auf einen Journalisten bei einer Querdenken-Demo vor Gericht stand und mit einer Gaspistole auf Antifaschist:innen schoss. Der neue Vorsitzende Florian Russ in Sachsen-Anhalt fordert offen Schiffe mit Geflüchteten einfach zu versenken und hat ebenfalls enge Kontakte zu den Identitären. In Bayern reiht sich der Stellvertreter des Landesverbands Helmut Strauf mit seiner Aussage in den Kurs ein:
„Wir müssen abschieben, abschieben, abschieben, bis Deutschland wieder Heimat wird.“
Der neue bayrische Vorsitz Franz Schmid viel ebenfalls schon auf und machte Schlagzeilen als das bayrische Innenministerium vergangenes Jahr bekannt machte, dass Schmid vom Inlandsgeheimdienst beobachtet wird.
In der Gesamtbetrachtung lässt sich zwischen dem Bundesvorstand, den Beisitzenden sowie den Finanzbeauftragten festhalten, dass der starke Vernetzungscharakter zu anderen rechten Strukturen, der Ausbau sowie die Festigung einer rechten Jugendkultur parlamentarisch oder auf der Straße, sowie das Herausbilden innerparteilicher Kader:innen die nächste Zeit zentrale Aufgaben sind. Durch die direkte Anknüpfung an die Mutterpartei, sowie dem verpflichteten eintreten der Jugendorganisation für alle unter 36-jährigen Personen ist davon auszugehen, dass die Generation Deutschland schon jetzt über eine höhere Mitgliederbasis als die JA verfügt, wenn gleich nicht alle Personen dem faschistischen Flügel zu zuordnen sind. Daneben spielt das angesprochene Kader:innenpotenzial in Kombination mit der Vernetzung und Unterstützung rechter Vorfeldstrukturen eine ausschlaggebende Rolle. Durch dieses Potenzial wird es für die Generation Deutschland möglich sein professioneller, strukturierter und militanter auf der Straße aufzutreten. Gerade im Kontext von Kundgebungen, Infoständen und Demonstrationen die in der Vergangenheit tendenziell weniger Personen akquiriert haben wird es zunehmend möglicher sein, rechte Jugendkultur noch stärker auf der Straße und in den Köpfen zu etablieren.
Durch das geschaffene Personenpotenzial wird es zunehmend leichter parlamentarischen Einfluss zu generieren, rechte Ideologien zu festigen und mit den finanziellen sowie personellen Mitteln rechte und faschistische Organisationen zu unterstützen. Mit ihrem neu aufgelegten Konzept der Mosaik-Rechten besteht die Gefahr, dass sich die Generation Deutschland an die Spitze der rechten Jugendbewegungen setzt und somit den Nährboden für eine faschistische Massenbasis bildet.
Auf in stürmische Zeiten
Ausschlaggebend für ihren Erfolg werden neben den gesellschaftlichen Verhältnissen und der Zuspitzung der kapitalistischen Krise, auch die Reaktion der Gegenseite sein. Sprich wie reagieren wie als antifaschistische Bewegung auf diese Entwicklung. Dabei ist eine differenzierte und angepasste Feindanalyse maßgeblich für unseren Erfolg. Es wird nicht primär darum gehen die AfD und ihre Jugendorganisation inhaltlich zu entlarven, sondern wieder mehr praktischen Abwehrkampf auf der Straße zu organisieren. Schon jetzt erleben wir wie sich die Mitte-Rechts Hegemonie immer weiter verschiebt. Gleichzeitig ist die Gesellschaft und allen voran die Jugend gespalten wie nie. Diese gesellschaftliche Entwicklung erleben wir nicht erst seit gestern. Gerade in den letzten Jahren sehen wir uns immer öfter mit rechtem Terror und Gewalt konfrontiert. Sollte sich die Einschätzungen bewahrheiten, dass sich die Generation Deutschland als neuer faschistische Arm der rechten Jugendbewegung etabliert, werden Übergriffe auf linke und queere Personen, Angriffe auf unsere Infrastruktur an der Tagesordnung sein. Für diese Entwicklung müssen wir uns als Bewegung wappnen, politisch wie auch praktisch. Offensiver Abwehrkampf, Schutz unserer Strukturen sowie der Ausbau unserer Selbstschutzes werden dabei essenzielle Bestandteile sein. Parallel gilt es die eigene Seite aufzubauen. Wir brauchen eine breite antifaschistische Organisierung die den Verhältnissen etwas entgegen zu setzen hat und die Jugend für sich gewinnt. Auf in Stürmische Zeiten, lasst uns gemeinsam die eigene Seite aufbauen!
Kampf der Reaktion! Kampf der Generation Deutschland!






