Sauer(ei) am Ettlinger Kasino

Wir waren heute [22.02.2026] mit über 300 Personen in Ettlingen, um gegen die AfD Veranstaltung mit dem ekelhaften Namen „Remigration – Theorie und Praxis“ zu demonstrieren. Nach der Auftaktkundgebung mit Reden vom Ettlinger Bündnis gegen Rechts, dem offenen feministischen Treffen und einer Rede von uns, wurde der Empfang der AfDler lautstark mit Parolen, pfeifen und Musik gestört.

Später gab es noch eine Kundgebung eines lokalen parteiübergreifenden Bündnis, bei welcher sich ebenfalls 300-400 Menschen anschlossen.

Bei dem Einlass der AfD war der Ansturm offensichtlich eher gering. Nach und nach tröpfelten Einzelne durch den abgegitterten Zugang, wobei sie prompt von ein paar fliegenden Eiern herzlichst empfangen wurden.

Während des gesamten Protests versuchten immer wieder ein paar verirrte AfD-Sympathisant:innen durch unsere Kundgebung zu laufen, diese kassierten jedoch direkt einen antifaschistischen Platzverweis. Denn für uns ist klar: auf unseren Kundgebungen werden keine Faschos geduldet!

Nachdem die AfD mit ihrer Veranstaltung begonnen hatte, beendeten wir unseren Protest mit einer lautstarken Demonstration durch Ettlingen.

Heute haben wir klar gemacht, dass weder in Ettlingen noch sonst wo Faschos und andere Rechte ungestört ihre Hetze verbreiten können!

Mit einer breiten Beteiligung, auch aus der Ettlinger Zivilgesellschaft haben wir unseren Protest auf die Straße getragen. Tage wie heute zeigen uns, dass antifaschistische Praxis auf verschiedenen Ebenen und mit vielfältigen Mitteln im Kampf gegen Rechts notwendig und richtig ist und auch in Zukunft notwendig sein wird. Deshalb: Kommt mit uns morgen mit nach Pforzheim auf die Proteste gegen die faschistische Fackelmahnwache, beteiligt euch am 28.02. an unserer Anreise gegen die Veranstaltung mit Björn Höcke in Rommelsbach und kommt mit uns am 8. März, dem internationalen Frauenkampftag, auf die Straße! Denn eine befreite Gesellschaft, kann es nur mit freien Frauen geben – Antifa heißt Frauenkampf!

Rede des Offenen Antifaschistischen Treffens Karlsruhe bei der Gegenveranstaltung:

Wir haben alle mitbekommen, wer heute hier im Kasino den Bürgerdialog zum Thema Remigration abhält. Dabei ist unter anderem der lokale Ettlinger AfD-Politiker Thomas Möckel, der sich gern in schicken Polohemden mit Reichsadler blicken lässt. Auch gerne blicken, lässt er sich bei den Nazi-Sommerfesten in Schnellroda von Götz Kubitscheck in den letzten beiden Jahren. Das sind Treffen, bei denen alle möglichen relevanten Nazikader aufkreuzen. Von AfD, über die Identitäre Bewegung bis hin zu der NPD-Nachfolgepartei die Heimat sind alle dabei. Geredet wird dann 2 Tage lang darüber, wie man am besten Millionen von Menschen deportiert und das deutsche Volk bewahrt. Vor was auch immer.

In Schnellroda mit dabei ist natürlich auch jährlich Martin Sellner, der rechte Ideologe aus der Identitären Bewegung, der den Begriff „Remigration“ geprägt hat. Von Sellner lässt sich sehr gut überleiten auf die nächste Kandidatin die heute hier ist: Lena Kotré. Diese hatte vor kurzem erst ein öffentliches Treffen mit Sellner. Lena Kotré steht selbst innerhalb der AfD am rechten Rand. Immer wieder fällt sie auf, unter anderem durch ihre Forderungen nach millionenfacher Remigration und der Entziehung deutscher Staatsbürgerschaften. Zusätzlich hat sie Verbindungen zum Neonazi Netzwerk “Blood and Honour”.

Auch der 3. der angekündigte Gast, Dominik Kaufner, redet gerne von Massendeportationen und unterscheidet in Bio-Deutsch und nicht deutsch. Die ein oder andere Wehrmachtsverherrlichung hat er sich in der Vergangenheit auch nicht nehmen lassen.

Aber wir dürfen die Gefahr, die von der AfD ausgeht, nicht auf eine rein moralische Empörung reduzieren.

Wenn wir die AfD nachhaltig bekämpfen wollen, dann müssen wir verstehen, wie sie so eine große politische Wirkmacht entfaltet und wie sie es schafft, so viele Menschen zu überzeugen. Wir werden den Rechtsruck nicht aufhalten, indem wir versuchen, einen angeblichen „Normalzustand“ wiederherzustellen, indem wir für „mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“ kämpfen. Denn wir sehen doch alle, dass auch der Rest der politischen Landschaft immer weiter nach rechts rückt.

Dass die geplante „Remigration“ der AfD in Teilen schon von der Ampel umgesetzt wurde, nur halt unter dem Deckmantel des „Rückführungsverbesserungsgesetzes“ ist ein klarer Beweis dafür.

Während andere bürgerliche Parteien vorher ihren Rassismus und ihre Ausländerfeindlichkeit vielleicht nur impliziert haben, hat Bundeskanzler Merz mit seiner Stadtbild-Aussage für alle unmissverständlich klar gemacht, was für menschenfeindliche Politik die angebliche „bürgerliche Mitte“ verfolgt. Statt diesen „Normalzustand“ wiederherzustellen, müssen wir das Problem an der Wurzel packen!

Und das Problem ist folgendes: Die Rechtsentwicklung ist eine Reaktion auf die kapitalistischen Krisen, und die AfD ist nur ein Ausdruck davon, wenn auch der momentan gefährlichste. Dass unsere Verhältnisse immer schlechter werden Löhne fallen und die Supermarktpreise und Mieten steigen, das kann kaum jemand leugnen. Und auch, dass es immer mehr Kriege in der Welt gibt, dass die Lage der internationalen Politik immer angespannter wird, dass Bündnisse zu zerfallen scheinen. Das hat nichts mit Zufall oder damit zu tun, dass hier verschiedene Wertesysteme gegeneinander stehen und angebliche westliche Werte verteidigt werden müssen. Das alles ist Ausdruck eines kapitalistischen Systems!

Und während Deutschland immer weiter aufrüstet und dadurch das Gesundheitssystem und Sozialleistungen vernachlässigt, stellt sich die AfD als einzige Opposition dar. Die AfD schafft es wie keine andere Partei, Menschen anzusprechen, die sich berechtigterweise Sorgen machen. Die AfD stellt sich sogar als vermeintlich soziale Partei dar.

Sie führt diese Probleme jedoch nicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse zurück, nicht auf die Tatsache, dass Profit für ein paar wenige über das Interessen der Mehrheit gestellt wird. Stattdessen sucht sie Ursachen in der Migration, oder der Abkehr von der „traditionellen Familie“ und versucht mit rassistischer, sexistischer und queerfeindlicher Rhetorik die Arbeiter:innen zu spalten. Sie reden davon, dass es uns doch allen besser gehen würde, wenn das „Volksvermögen“ eben nur denen zusteht, die sie als Teil ihrer „Volksgemeinschaft“ begreifen. Aber auf diese Spaltung dürfen wir nicht hereinfallen!

Wir, als Arbeiter:innen, als Jugendliche, als Rentner:innen, sitzen doch alle im gleichen beschissenen Boot. Wir müssen alle ackern, um uns Essen auf dem Tisch und ein Dach über dem Kopf leisten zu können. Wir sind die die jeden Tag für den Profit anderer schuften. Ein Profit, von dem wir keinen einzigen Cent zu sehen bekommen. Wir sind die die im Schützengraben als Kanonenfutter sterben müssen. Die Ursachen liegen eben nicht, wie die AfD behauptet, bei den Menschen, die sie als Feindbilder inszenieren, sondern sind fester Bestandteil dieses Wirtschaftssystems.

Nur wenn wir unser gemeinsames Interesse erkennen, können wir nachhaltig gegen den Rechtsruck vorgehen.

Und unser Interesse ist: Ein gutes Leben für alle, eine Gesellschaft, in der alle ein Dach über dem Kopf haben, in der wir in Würde und ohne ständige Geldsorgen altern können. In der wir alle, ob in Deutschland oder anderswo auf der Welt, frei und ohne Krieg leben können. Dafür müssen wir ein Wirtschaftssystem aufbauen, in dem wir selbst entscheiden, wie und was produziert wird. In dem wir nach unseren Bedürfnissen und nicht nach Profit wirtschaften!

Stürmische Zeiten liegen vor uns und die nahe Zukunft sieht nicht schön aus. Wenn wir es ernst meinen mit dem Kampf gegen den Faschismus, dann müssen wir alle mit an Bord holen, die mit uns diese rauen Gewässer bestreiten wollen. Das bedeutet, dass wir das Problem an der Wurzel packen. Dass wir gemeinsam für eine Welt kämpfen, in der der Faschismus keinen Fuß fassen kann. Dass wir uns Faschist:innen in den Weg stellen, überall dort, wo sie auftauchen. Das heißt konkret: so wie heute sich der AfD lautstark entgegenzustellen. Aufmärsche verhindern und Infostände blockieren. Im Kleinen wie im Großen verhindern, dass sie ihre rechte Propaganda verbreiten können. Unsere Ablehnung ist schön und gut, aber sie bringt nichts, wenn wir sie nicht in die Praxis umsetzen.

Also lasst es uns gemeinsam anpacken!
Für einen konsequenten Antifaschismus, 365 Tage im Jahr!