Palantir – Perspektiven für die linke Bewegung

In J.R.R. Tolkiens “Herr der Ringe” existiert für die Herrscher über Gondor wohl kaum ein so zentrales Machtinstrument wie die Palantiri. Allsehende Glaskugeln, gebraucht um über große Reichweite miteinander zu kommunizieren. Missbraucht um Informationen zu kontrollieren, Feinde zu überwachen und sie zu manipulieren.

Außerhalb Tolkiens Fantasywelt, kennt man Palantir wohl eher als den marktführenden US-amerikanischen Tech-Konzern, mit einem Unternehmenswert, der neun mal so hoch ist wie der Schatz des Drachen Smaug. Ursprünglich eine Geschäftsidee um online Betrügereien zu verhindern, entwickelte sich der Konzern ab 2004 in enger Zusammenarbeit mit der CIA und anderen US-Behörden zu einem Heilsbringer gegen „böse, dem politischen Westen feindlich eingestellte Mächte“. Allein ein Blick auf die Homepage reicht aus, um das selbst gesteckte Ziel einer totalitären Dystopie zu erkennen. Das ist kein Trailer für einen neuen Teil der Halo-Reihe – Palantir scheint das digitale Endzeitalter einzuleiten. Von allgegenwärtiger Totalüberwachung, zu vollends technologisierter Kriegsführung, bis hin zu Algorithmen, die Entscheidungen über Leben und Tod treffen.

Um noch bei Herr der Ringe bleiben: „Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.“

Palantir – des Kapitals sehender Stein

Dass Palantir schon durchwegs seit seiner Gründung ein politisches Programm verfolgt, propagieren CEO Alex Karp und Mitbegründer Peter Thiel mittlerweile auch offen und ehrlich. Wie bei so vielen anderen Maßnahmen des politischen Westens, wurde das Attentat auf das World Trade Center 2001 als ideoloDass Palantir schon durchwegs seit seiner Gründung ein politisches Programm verfolgt, propagieren CEO Alex Karp und Mitbegründer Peter Thiel mittlerweile auch offen und ehrlich. Wie bei so vielen anderen Maßnahmen des politischen Westens, wurde das Attentat auf das World Trade Center 2001 als ideologische Legitimation genutzt, um mit der Gründung von Palantir Geheimdienste mit hochmodernen Technologien auszustatten. Kleiner Fun-Fact dazu: Osama bin Laden wurde nur mithilfe von Palantir Technologie aufgespürt und schließlich getötet.

Die Werkzeuge von Palantir werden aktuell in den USA durch die Abschiebebehörde “ICE” eingesetzt, um Migrant:innen aufzuspüren, die man aus dem Land schaffen will. Israels Militär setzt es im Genozid gegen Palästinenserinnen und Palästinensern ein. Und auch die Ukraine nutzt die Mittel im Kampf gegen Russland. Dass die Software seines Unternehmens zum Töten und auch laut seinen eigenen Aussagen, ganz explizit zum Töten von Kommunistinnen und Kommunisten eingesetzt wird, daraus macht Karp keinen Hehl. Wie eingangs erwähnt ist Palantir durchwegs ein Projekt mit politischem Kalkül, welches sich in seiner Unternehmens-DNA als ein Werkzeug im Kampf gegen das “Böse” versteht. Denn verkauft wird die Software nur an Alliierte der USA. Konkurrierende Großmächte, wie China und Russland werden dabei außen vor gelassen. Palantir steht voll und ganz im Sinne der globalen Vorherrschaft des Westens. Es ist ein Mittel, um diese unangefochtene Stellung mithilfe technologischer Aufrüstung und Überlegenheit zu sichern. Karp glaubt fest daran, dass Kriege allein durch diese technologische Überlegenheit für sich entschieden werden können. Palantir profitiert dahingehend also von der gerade stattfindenden Entwicklung eines globalen Kriegsregimes. In seinem Buch “The technological Republic” schreibt er folgendes: ”Ein andauerndes oder gar permanentes Kriegsregime erweist sich demnach als notwendiger Bestandteil sowohl der Organisation des Weltmarkts als auch der Bedingungen kapitalistischer Entwicklung. (…) “Die technologische Supermacht des Westens erfordere sowohl militärische Stärke (“hard power”), als auch geistige und moralische Überzeugung (“soft belief”). Nur so lasse sich die verblassende Hegemonie des Westens verteidigen.”

Daraus lässt sich schon ganz eindeutig schließen: In Zeiten des Ringkriegs (der kapitalistischen Krise) und einem erstarkten Auflehnen der konkurrierenden Großmächten gegen die bisher westlich dominierte Weltordnung, ist Palantir also nur die konsequente Folge der kapitalistischen Logik.gische Legitimation genutzt, um mit der Gründung von Palantir Geheimdienste mit hochmodernen Technologien auszustatten. Kleiner Fun-Fact dazu: Osama bin Laden wurde nur mithilfe von Palantir Technologie aufgespürt und schließlich getötet.

Die Werkzeuge von Palantir werden aktuell in den USA durch die Abschiebebehörde “ICE” eingesetzt, um Migrant:innen aufzuspüren, die man aus dem Land schaffen will. Israels Militär setzt es im Genozid gegen Palästinenserinnen und Palästinensern ein. Und auch die Ukraine nutzt die Mittel im Kampf gegen Russland. Dass die Software seines Unternehmens zum Töten und auch laut seinen eigenen Aussagen, ganz explizit zum Töten von Kommunistinnen und Kommunisten eingesetzt wird, daraus macht Karp keinen Hehl. Wie eingangs erwähnt ist Palantir durchwegs ein Projekt mit politischem Kalkül, welches sich in seiner Unternehmens-DNA als ein Werkzeug im Kampf gegen das “Böse” versteht. Denn verkauft wird die Software nur an Alliierte der USA. Konkurrierende Großmächte, wie China und Russland werden dabei außen vor gelassen. Palantir steht voll und ganz im Sinne der globalen Vorherrschaft des Westens. Es ist ein Mittel, um diese unangefochtene Stellung mithilfe technologischer Aufrüstung und Überlegenheit zu sichern. Karp glaubt fest daran, dass Kriege allein durch diese technologische Überlegenheit für sich entschieden werden können. Palantir profitiert dahingehend also von der gerade stattfindenden Entwicklung eines globalen Kriegsregimes. In seinem Buch “The technological Republic” schreibt er folgendes: ”Ein andauerndes oder gar permanentes Kriegsregime erweist sich demnach als notwendiger Bestandteil sowohl der Organisation des Weltmarkts als auch der Bedingungen kapitalistischer Entwicklung. (…) “Die technologische Supermacht des Westens erfordere sowohl militärische Stärke (“hard power”), als auch geistige und moralische Überzeugung (“soft belief”). Nur so lasse sich die verblassende Hegemonie des Westens verteidigen.”

Daraus lässt sich schon ganz eindeutig schließen: In Zeiten des Ringkriegs (der kapitalistischen Krise) und einem erstarkten Auflehnen der konkurrierenden Großmächten gegen die bisher westlich dominierte Weltordnung, ist Palantir also nur die konsequente Folge der kapitalistischen Logik.

Datenerfassung – was wissen die Schweine?

Werfen wir einen Blick auf Deutschland. Bevor Palantir überhaupt beginnt Auge zu machen, fängt die Problematik bereits bei der aktuellen Datenerhebung an. Denn sämtliche persönliche Informationsschnipsel sind schon längst erfasst und liegen abrufbereit auf irgendwelchen fragwürdigen Plattformen herum. Im Zuge der autoritären Zeitenwende werden durch fortschreitende Verschärfungen der Polizeigesetze die Datenbanken bis zum geht nichtmehr gefüttert und dadurch die Bandbreite der Informationen immer fetter. Akten, Ermittlungsvermerke, technische Vorgänge, Gesundheitsdaten, KfZ-Register, digitaler Fußabdruck, Videoaufzeichnungen im öffentlichen Raum, Bankkontoaktivitäten, die Liste ist endlos. Mit jedem neu beschlossenen Sicherheitspaket weiten sich die Möglichkeiten zur Datenerfassung der staatlichen Behörden

aus. Erst Ende 2025 hat Innenminister Dobrindt zwei Gesetzesentwürfe verabschiedet, die dem BKA, der Bundespolizei und sogar dem BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) erlaubt, mithilfe von biometrischer Gesichtserkennungssoftware massenhaft und anlasslos Fotos im Internet zu suchen und diese in riesigen Datenbanken mit Gesichtern anzulegen. Die Legitimation sichern sich die Schweine durch das Argument des sogenannten “Schutzes der inneren Sicherheit”. Mal abgesehen davon, dass die Aufrüstung der Sicherheitsbehörden faktisch vollkommen entkoppelt von der tatsächlichen Sicherheitslage der Nation stattfindet (siehe Rückgang der Straftaten), bietet die fadenscheinig bedrohte “innere Sicherheit” die optimale ideologische Unterfütterung für einen autoritären Staatsumbau.

„Gotham“, „VeRA“ oder „HessenData“ – Deutscher Staat, das Heer von Mordor

In die eben angesprochenen Beschlüsse der Sicherheitspakete reiht sich auch Palantir ein. Konkret die KI-gestützte Software “Gotham”. Denn in Deutschland arbeiten bereits einzelne Landespolizeien seit 2017 mit Palantir-Software. Das erste Bundesland, in dem Palantir-Software eingeführt wurde, war Hessen 2017. 2020 folgte Nordrhein-Westfalen. 2022 schloss Bayern mit dem Unternehmen einen Rahmenvertrag ab. Dem können auch die übrigen Bundesländer sowie der Bund ohne neues Vergabeverfahren jederzeit beitreten.

Seit 2024 nutzt Bayern Gotham auch in der Praxis, unter dem Namen „VeRA“ (Verfahrensübergreifende Recherche- und Analyseplattform“). Von der hessischen Polizei wird sie unter dem Namen „HessenData“ aktuell eingesetzt. Das geschieht konkret in Zahlen bei rund 15000 Fällen jährlich.

Für die deutschen Polizeibehörden hat das vor allem in der Strafverfolgung konkrete Vorteile: Fälle, bei denen Daten im Umfang von 100.000 DIN-A4-Seiten analysiert werden müssen, können mit einem einzigen Mausklick durchsucht, miteinander verknüpft, interpretiert und ausgewertet werden. Monatelanger Arbeitsaufwand von zig Beamtinnen und Beamten, reduziert auf wenige Sekunden und das ganz ohne Risiko von menschlichen Fehlern. Ein konkretes Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von HessenData, sind die Ermittlungen gegen die Reichsbürger Gruppe rund um “Prinz Reuß” Ende 2022. So liefen die Ermittlungen gegen den geplanten bewaffneten Umsturz der Reichsbürger laut den Behörden nur mithilfe der Palantir-Software so erfolgreich.

Sowohl bei VeRa, als auch bei HessenData handelt es dennoch um abgespeckte Varianten der Palantir-Software Gotham. Um welche fehlenden Funktionen oder Tools es sich dabei jedoch handelt, lässt sich nur schwer sagen. Selbst die deutschen Behörden haben keinerlei Zugriff oder Einsicht auf den Quellcode, und damit auch die Funktionsweise der Software. Sie benutzen sie lediglich. Eigentlich eine wahnsinnige Vorstellung, wenn man bedenkt, dass Polizei und Staatsschutz deshalb sogar eigene technische Mitarbeiter von Palantir einstellen mussten.

Ein Kuhhandel um sie alle zu knechten!

So weit, so scheiße. Die Grün-Schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg hat unterdessen, ohne dass es breit in die Öffentlichkeit gelangte, wohl den besten April-Scherz aller Zeiten geplant. Die CDU um Innenminister Thomas „Wir kriegen euch” Strobl, hat bereits im Frühjahr 2025 den Vertrag mit Palantir für die Nutzung der Gotham-Software geschlossen. Die notwendige Rechtsgrundlage dafür, gab es zu diesem Zeitpunkt jedoch noch gar nicht. Es benötigte also die Zustimmung des grünen Koalitionspartners, um die gesetzliche Grundlage dahingehend zu ändern. Mit großen Bauchschmerzen einigten sich die Grünen schlussendlich auf einen politischen Deal, der einem Kuhhandel auf dem mittelalterlichen Bauernmarkt gleicht. Die Pointe des grandiosen Aprilscherzes lautet nämlich: eine Vergrößerung um 1500 Hektar des Schwarzwald-Nationalparks und im Gegenzug darf Palantir-Software ab dem 1. April von den Behörden in Baden-Württemberg eingesetzt werden.

Antifa- die freien Völker Mittelerdes

Das Grundproblem dabei ist nicht nur die Menge, die Art oder die Weise wie Daten erhoben werden, sondern zusätzlich die starke Intransparenz, was mit dem Lachs passiert. Es ist quasi nicht nachvollziehbar, welche Datenquellen konkret eingebunden sind, wie lange Daten gespeichert werden, nach welchen Regeln sie verknüpft werden und welche Schlüsse die Software daraus zieht.

Die Zentrale Art und Weise, wie die Informationen aus den Datenbanken benutzt werden, ist, indem eine Symbiose aus verschiedenen Datenquellen erhoben wird. So werden auch Informationen, die an für sich nicht brisant sind, in der Summe für jeden Antifaschisten oder jede Antifaschistin gefährlich. Eine Telefonnummer hier, eine Google Standortabfrage da, eine Kartenzahlung dort, und zack, die Ausfahrt zur Nazi Demo, bei der es mehrere Steinwürfe gab, ist nachgewiesen. Ein „One-Klick System“ a la Gotham gibt dann noch zusätzlich 30 belastende Videoausschnitte aus und analysiert die Buntfalten der Hose der vermummten Person gleich mit.

Mitunter die für den Staat interessantesten Daten, sind die Daten der sogenannten Telekommunikationsüberwachung. Hier sind vor allem die Metadaten besonders interessant: Welches Handy hat zu welchem Zeitpunkt mit welchem Handy Kontakt, welche Nummern haben sich gegenseitig wie eingespeichert, welche Geräte bewegen sich zusammen in denselben Funkzellen und was sind die Google Suchanfragen zu welchem Zeitpunkt. Funkzellen werden genutzt, um via Telefonmasten ziemlich genau den Standort abzufragen (also über die Telefonnummer), während beim GPS-Tracking der Standort eines technischen Geräts gezielt mittels Satellit geortet wird.

Bei den Suchanfragen ist es zusätzlich gut zu wissen, dass die großen Firmen wie Microsoft, Meta, Google etc. die allseits gefürchteten „Werbedaten“ mittlerweile auch nachweislich an die Behörden verkaufen. Belastend, aber wenigstens beeinflussbar. 🙂

Auch spannend ist das Vorgehen wie aktuell vor allem die Behörden in den USA in Kombination mit Palantir agieren. Zu Beginn von Protesten laufen diese einmal zu allen Personen und Filmen diese präventiv mit Handykameras und Meta-Glasses (Video-KI-Brille) ab und laden das Footage in die Gotham Cloud hoch. Vorgehen, welches auch bei uns hier nicht unbekannt ist, siehe beispielsweise die Proteste in Offenburg, bei welchen bereits Stunden vor der ersten Straftat alle möglichen Leute abgefilmt wurden. Der Unterschied, den Gotham hierbei macht ist, dass das Videomaterial dann nicht von Beamtinnen oder Beamten des Polizeipräsidiums Offenburg ausgewertet werden muss, sondern die Aufnahmen in nahezu Echtzeit brauchbar gemacht werden, und so noch während des Protestgeschehens eingegriffen werden kann. Hierbei gibt die Software pro Demonstrant:in eine Prozentzahl aus, die Aussagt, wie wahrscheinlich es ist dass der oder diejenige eine Straftat begeht.

Auch die USA-Abschiebepolizeibehörde “ICE” kann nur so effektiv agieren, weil sie mit Palantir-Software arbeitet. KI-Auswertungs-Tools der Software können anhand der riesigen Datenmengen, bis auf wenige Meter präzise, Standorte und Bewegungsabläufe von Zielpersonen vorhersagen. So müssen die ICE-Schlägertrupps lediglich zu den von Gotham lokalisierten Standorten fahren und können dort dann nach Lust und Laune Menschen verschleppen.

Es gibt Lösungen, wir sind nicht am Ende!

Für die meisten der oben gestellten Problemlagen gibt es bereits Lösungsansätze, auch diese sicherlich nicht die Endlösungen bilden, da auch Staat und Repressionsbehörden stetig weiterentwickeln. Auch wichtig zu beachten ist, dass Sicherheit nicht durch einen einzigen “Ring” kommen kann, sondern vielmehr die Summe verschiedener Sicherheitsmaßnahmen diese schlussendlich am ehesten bilden. Ein alleiniges “Watch your Umgebung after Kameras” reicht vielleicht nicht aus und das “Smartphone zu Hause lassen” ist vielleicht auch ein bisschen witzlos, wenn gleichzeitig alle 20 Handys der Bewegung am Tag der Aktion inaktiv zu Hause liegen und das sonstig darauf stattfindende “Doom-Scrolling” ausbleibt. Dennoch gibt es verschiedene sinnvolle Maßnahmen, welche konkret getroffen werden können, es gibt also Hoffnung.

Ein Mittel welches uns vor der Telekommunikationsüberwachung ein Stück weit bewahren kann, ist die Nutzung des Android (Linux-basierend) – Betriebssystems “Graphene OS”. Hierbei handelt es sich um ein Betriebssystem, welches explizit dafür geschaffen wurde, keine Spuren zu hinterlassen und nervige Dinge wie GPS-Tracking und Speicherung von Suchverläufen zuverlässig verhindert. Auch bietet Graphene OS eine extrem sichere Geräteverschlüsselung, was dazu führt, dass selbst die Bullen nachweislich starke Probleme haben die Smartphones zu entschlüsseln.

Der große Nachteil an Graphene OS ist sicherlich die Unzugänglichkeit der Einrichtung, da diese für technisch unversierte Genossinnen und Genossen, durchaus herausfordernd sein kann. Das sogar noch größere Problem ist, dass Graphene OS leider nur aktuell nur auf Google Pixel Geräten funktioniert, welche verhältnismäßig teuer sind. Wer jedoch die Möglichkeit dazu hat, sollte sich eventuell damit einmal auseinandersetzen und sich überlegen, ob dieser Umstieg, nicht eventuell sinnvoll wäre. Seit einigen Tagen hat Graphene OS auch eine Zusammenarbeit mit Motorola angekündigt, was den Vorteil hat, dass deren Geräte deutlich erschwinglicher sind als die von Google.

Was für Smartphones gilt, gilt ebenso für Computer. Windows und Apple sind hier nicht die Gemeinschaft des Rings, sondern nehmen sich bereits in den AGB heraus, Passwörter für die Behörden zu speichern und direkt weiterzugeben oder gleich alle fünf Sekunden einen Screenshot von eurem Desktop aufzuzeichnen und in die Cloud zu laden. Auch hier ist wieder Linux die sinnvollste Antwort. Ein frei von Kapitalinteressen entwickeltes Projekt, welches genau diese belastenden Dinge nicht tut. Das beste Gesamtkonzept bietet hierbei sicherlich “Tails OS”. Das Betriebssystem mit dem blauen Wallpaper, welches ihr bestimmt schon einmal auf den Laptops eurer Genossinnen und Genossen gesehen habt.

Neben alternativen Betriebssystemen fürs Handy und den PC braucht es aber vor allem einen bewussteren und disziplinierteren Umgang mit Technik im Alltag. Denn das Problem beginnt nicht erst bei Spezialsoftware wie Gotham, sondern schon viel früher, wenn wir bereitwillig alle unsere Daten freigeben. Das A und das O ist hierbei die Minimierung von Daten. Nicht jede App braucht einen Standortzugriff, Mikrofon oder Zugriff auf die Kontakte des Handys. Je weniger Berechtigungen die kapitalistischen Konzerne von euch bekommen, desto weniger wissen diese auch über euch. Gibt man einfach alles bereitwillig aus, liefert das eine perfekte Vorlage für ein umfangreiches sogenanntes Bewegungs-, Kontakt- und Interessensprofil. Natürlich führt das im technischen Alltag zu Einschränkungen: Das Online Banking funktioniert nicht mehr richtig, das Entsperren des Handys via Passwort dauert länger und Google Maps ohne freigegebenen Standort macht auch nur wenig Sinn. Doch genau an diese Dinge sollten wir uns für kommende Zeiten gewöhnen um es dem Staat so schwer wie möglich zu machen.

Es sollte auch zur Gewohnheit werden, dass wir alle Anfangen unser Handy nicht nur bei der politischen Sache zu Hause zu lassen, sondern dieses eher so seltenst wie möglich mitzunehmen, um auch auf dieser Ebene die Daten zu minimieren.

Ebenso wichtig wie die Datenminimierung, ist die Trennung der Lebensbereiche. Lohnarbeit, Privatleben, politische Arbeit und Organisierung sollten nicht vollständig über dieselben Accounts, Geräte und Programme laufen. Nicht, weil das automatisch einen umfangreichen Schutz garantiert, sondern weil totale Zusammenführung von Daten genau das ist, wovon Überwachungssoftware like Gotham lebt. Je stärker alles miteinander verknüpft ist, desto leichter lässt sich alles nachvollziehen.

Dazu kommt die politische Notwendigkeit gewisser Basismaßnahmen. Verwendet lange sichere Passwörter, Passwortmanager um den Überblick zu behalten, Ende zu Ende Verschlüsselungsmessanger wie Signal, achtet darauf alle Updates zu machen und verwendet eine Festplattenverschlüsselung. Es braucht nicht unendlich Maßnahmen, einige wenige reichen aus, um den Unterschied zwischen einem angreifbaren und einem halbwegs geschützten digitalen Alltag zu machen.

Auch die digitale Bildung innerhalb der Bewegung sollte nicht außer Acht gelassen werden. Es bringt wenig, wenn ein paar Leute, die technisch fit sind, alle benannten Sicherheitsmaßnahmen umsetzen, der Rest aber aus Überforderung und Unverständnis, oder gar Angst vor Technik, den Rest weiterhin auf fragwürdige Art und Weise nutzt. Die Gemeinschaft des Rings ist nur so stark, wie das schwächste Glied. Deshalb braucht es kollektive Sicherheitsstandards und ein Bewusstsein dafür, dass Bequemlichkeit bezüglich Sicherheit im Kapitalismus ein hohes Risiko bildet. Sollte einmal kein Genosse oder keine Genossin unterstützen können, hilft es oft auch das Problem einfach mal auf DuckDuckGo einzugeben. Auf einfache technische Fragen, liefert diese oftmals eine sehr verständliche und richtige Antwort.

Zuletzt darf man sich jedoch auch nicht in die Illusion flüchten, das Problem nur rein technisch lösen zu können. Gegen Überwachung durch Kameras auf der Straße können nicht nur sicherere Geräte oder eine “auf dem Papier erstmal” saubere Software helfen, sondern auch ein politischer Druck und eine öffentliche Skandalisierung, das autoritäre Staatskonstrukt angreifen zu können und der Normalisierung solch abgewichster Systeme wie Gotham zu bekämpfen.

Tauscht euch mit Genossinnen und Genossen aus, vermittelt Skills, redet über technische Neuerungen, teilt eure Erkenntnisse und evaluiert gemeinsam, welche Standards es braucht um möglich sicher politisch aktiv zu sein, aber dabei auch handlungsfähig zu bleiben.

Um hiermit zum Abschluss zu kommen, lohnt es sich noch-einmal einen Blick in Tolkiens “Herr der Ringe” zu werfen. Denn die Geschichte des Ringkriegs endet darin, dass sich die Freien Völker Mittelerdes schlussendlich verbünden und der Ring im Schicksalsberg ein für alle Mal vernichtet wird. Ein Sieg, welcher nicht das Ergebnis einer einzelnen perfekten Strategie ist, sondern das Ergebnis eines gemeinsamen Weges. Das ist die Lehre für uns im Umgang mit dem Thema Sicherheit. Es sind nicht nur einzelne Tools, sondern eine kollektive Praxis, das Wissen zu teilen, aufmerksam zu bleiben, Gegenstrategien zu entwickeln und gemeinsam umzusetzen.