Auswertung zu Majas Hungerstreik

Vor einem Jahr, am 5. Juni 2025, hat Maja einen 40-tägigen Hungerstreik begonnen. Das Solidaritätskomitee für Maja, das sich schon zur Vorbereitung des Hungerstreiks gegründet hatte, hat nun eine Broschüre veröffentlicht, in der es den Hungerstreik auswertet.

Was hat der Hungerstreik gebracht? Wie haben sich die Parteien und die Regierung bewegt? Was hat die Solidaritätsbewegung auf die Beine gestellt? Wie haben unsere Gefangenen in Deutschland und ihre Familien den Hungerstreik erlebt? Wie blickt Maja auf den Hungerstreik zurück? Was haben wir daraus gelernt? Diese und viele weitere Fragen werden in der Broschüre behandelt.

Die Broschüre kann ab sofort in der elektronischen Version als PDF-Datei heruntergeladen werden. Das Soli-Komitee druckt außerdem 1.000 Exemplare. Ihr könnt die gedruckte Broschüre unter solikomitee-maja@systemli.org bestellen. Bitte gebt die Zahl der Exemplare und eine Lieferadresse an.

Zum Download der elektronischen Version der Broschüre klicke hier.

 

Im folgenden ein kurzer Abriss der Ereignisse und eine gekürzte Bewertung des Hungestreiks vom Solidaritätskomitee:

Majas Hungerstreik – Teil 1 – Widerstand

„Ich bin nicht länger dazu bereit, in dieser untragbaren Situation auszuharren und auf Entscheidungen einer Justiz zu warten, die über die letzten Monate meine Rechte immer wieder systematisch verletzt hat. Ich beginne daher heute, am 5. Juni 2025, einen Hungerstreik. Ich fordere, dass ich nach Deutschland zurück überstellt werde, dass ich zu meiner Familie zurückkehren kann und dass ich von zuhause an dem Verfahren in Ungarn teilnehmen kann.“

Am 4. Juni 2025 wurde Majas Antrag auf Verlegung in den Hausarrest erneut abgelehnt. Daraufhin begann Maja am 5. Juni 2025 einen unbefristeten Hungerstreik. Die zentrale Forderung: die Rücküberstellung nach Deutschland.

Am Anfang leugneten die Behörden den Hungerstreik, führten Maja zu den Verhandlungsterminen vor Gericht vor. Im Verlauf mussten sie angesichts der Gewichtsabnahme und Schwächung Majas den Hungerstreik anerkennen. Nach fast einem Monat Hungern und 12 kg Gewichtsabnahme wurde Maja in ein Gefängniskrankenhaus verlegt. Der Gesundheitszustand verschlechterte sich. Die Herzfrequenz sank zeitweise auf unter 30. Die Ärzte drohten später mit Zwangsernährung und der Einsetzung eines Herzschrittmachers.

Maja ließ sich von den Behörden nicht einschüchtern und zeigte während des Hungerstreiks immer wieder Haltung. Maja trug an den Verhandlungsterminen vor Gericht eigene Erklärungen vor, schickte Reden und Grußworte nach draußen. Das Hungerstreikkomitee veröffentlichte zudem Videobotschaften und Sprachnachrichten von Maja.

Am 14. Juli 2025, am 40. Tag des Hungerstreiks, beendete Maja den Hungerstreik.

 

Majas Hungerstreik – Teil 2 – Die Solidaritätsbewegung

Majas Hungerstreik sorgte im Juni und Juli 2025 in Deutschland und anderen Ländern für eine starke und breite Solidaritätsbewegung. Die antifaschistische Bewegung, queere Aktivist:innen und Feminist:innen, Menschenrechtsorganisationen, die Klimagerechtigkeitsbewegung, Vereine, Kirchenleute, Politiker:innen aus der Linken, von den Grünen und der SPD zeigten ihre Solidarität.

Es gab mehrere große Aktionstage: vom 20. bis 22. Juni die internationalen Aktionstage, ab 8. Juli die Kampagne „Nochmal richtig Welle machen“, zum 15. Juli Besetzungsaktionen. Allein zu den internationalen Aktionstagen gingen Tausende Menschen in Dutzenden Städten in über 10 Ländern auf die Straße.

Protestbriefe, Solidaritätserklärungen, Kulturveranstaltungen, politische Reden, Kundgebungen, Demos, Besetzungen, Solidaritätshungerstreiks, ein Protestcamp, Störaktionen, Anschläge – so breit wie die Bewegung, so vielfältig waren ihre Aktionsformen. Majas Vater Wolfram Jarosch machte einen Protestmarsch von Jena nach Berlin und nach dem Ende von Majas Hungerstreiks einen eigenen Hungermarsch von Dresden nach Budapest.

 

Majas Hungerstreik – Teil 3 – Scheitern und Erfolg

Maja hat mit dem Hungerstreik keine Rücküberstellung, keine Verlegung in den Hausarrest, keine substanziellen Hafterleichterungen erreicht. Das ist ernüchternd. Aber Maja hat viele andere Dinge erkämpft.

Majas Hungerstreik ist für uns die bisher stärkste Widerstandsaktion in der Konfrontation zwischen Staat und Bewegung seit Beginn der aktuellen Verfolgung 2020. Maja hat eine breite Solidaritätsbewegung initiiert, große Teile der Gesellschaft für unser Anliegen gewonnen und eine enorme mediale Aufmerksamkeit geschaffen.

Nur durch Majas Hungerstreik haben Politiker:innen aus Linkspartei, SPD und Grünen sich öffentlich geäußert. Nur durch Majas Hungerstreik gab es täglich Schlagzeilen im bundesweiten Leitmedien wie ZEIT, Spiegel, Tagesschau.

Im Verlauf des Hungerstreiks verbesserten sich die Haftbedingungen leicht, aber unregelmäßig und ohne Zusicherung. Außerdem begannen Bundestagsabgeordnete, Maja regelmäßig zu besuchen, was sie bis heute tun.

Am 12. Juli, kurz vor Ende des Hungerstreiks, erklärte Außenminister Wadephul, dass er mit Ungarn über die Verbesserung von Majas Haftbedingungen verhandeln wolle. Nach dem Hungerstreik sagte er sogar, dass er sich für die Rücküberstellung von Maja einsetze. Maja hat damit die Bundesregierung dazu gebracht, sich zu positionieren und zu engagieren. Nun müssen wir weiter für Maja kämpfen, damit den Worten auch Taten folgen.