Ex-KSK-Soldat gesteht
Im Frankfurter Prozess um die Putschpläne von Reichsbürgern legt der Ex-Elitesoldat Peter Wörner mit Beschuldigungen ein unfreiwilliges Geständnis ab.
Ein überbordendes Mitteilungsbedürfnis kann man Peter Wörner eher nicht unterstellen. Mehr als zwei Jahre und 135 Verhandlungstage hat der ehemalige Elitesoldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) vor Gericht geschwiegen. Wörner verlor kein Wort zu den Vorwürfen von Terrorismus und Hochverrat, die ihn zusammen mit acht weiteren Männern und Frauen vor den Staatsschutzsenat des Frankfurter Oberlandesgerichts geführt haben: die Vorbereitung eines gewaltsamen Reichsbürger-Putsches, angeführt von dem Immobilienunternehmer Heinrich XIII. Prinz Reuß.
Jetzt hat der 58-Jährige, der zuletzt als Survivaltrainer und Militariahändler tätig war, überraschend sein Schweigen gebrochen. Es sollte wohl eine Art Befreiungsschlag werden. Doch je länger Wörner am Dienstag und Mittwoch redet, je mehr Fragen ihm von seinen eigenen Verteidiger*innen gestellt werden, desto stärker nähert sich seine Einlassung einem Geständnis an.
Schweigen wird zum Geständnis
Wie bereits mehrere Angeklagte vor ihm bekennt sich der Ex-Kommandosoldat zum QAnon-Verschwörungsglauben, dass Deutschland und die Welt von einer pädophilen Elite beherrscht seien, die in unterirdischen Tunneln Kinder missbrauche. Dass aber sehr bald eine internationale Armee namens »Allianz« einmarschieren und für die Rettung sorgen werde. »Auch ich machte mir viele Gedanken um die Befreiung und die Erstbetreuung der Kinder«, sagt er. Er und alle anderen, die in Frankfurt vor Gericht stünden, hätten »nur Gutes« gewollt.
Aber: Sie seien in die Irre geführt worden von den »Einflüsterungen« dreier Angeklagter aus den parallel laufenden Verfahren in München und Stuttgart. »Wir haben ihnen geglaubt, das ist unser Verbrechen«, sagt er. Neben einer mittlerweile verstorbenen Astrologin und einem Hochstapler, der sich als Verbindungsoffizier zur »Allianz« ausgab, greift Wörner vor allem Thomas T. an.
Der selbst ernannte Hellseher hat im Münchner Prozess Umsturzpläne der Gruppe eingeräumt und dabei insbesondere die Gewaltbereitschaft von Peter Wörner hervorgehoben. Der kontert nun, indem er Thomas T. als »graue Eminenz« darstellt, als treibende Kraft und Strippenzieher. Dessen vermeintliche Visionen von einem Einmarsch alliierter Truppen oder einem Angriff auf den Bundestag bemüht Wörner als Erklärung für ungefähr alles, was ihm von der Anklage zur Last gelegt wird. Eine Schuldzuweisung, die zum Schuldeingeständnis gerät.
Wörner bestätigt »militärische Aktion«
Freimütig gibt Wörner zu, das Reichstagsgebäude ausgespäht zu haben – mit Hilfe der damaligen Bundestagsabgeordneten Birgit Malsack-Winkemann von der Alternative für Deutschland (AfD). Und, was diese vehement bestritten hat, mit ihrem Wissen: »Klar wurde davon gesprochen, dass es um eine militärische Aktion geht«, sagt er. Laut den »Schauungen« von Thomas T. hätten zwar Tausende russische und US-amerikanische Soldat*innen den Löwenanteil der »Aktion in Berlin« erledigen sollen. Aber 20 bis 25 Mann hätten auch die Angeklagten stellen wollen, militärisch ausgerüstet und bewaffnet: »Man geht ja nicht als die sieben Schwaben da rein.« Mit Toten, beteuert er, hätten sie trotzdem nicht gerechnet.
Wörner beschaffte Helme, Holster, Schutzwesten und Uniformen. Bei Abgesandten einer konkurrierenden Reichsbürger-Truppe, die den Umsturz unter anderem mit einer Entführung des damaligen Gesundheitsministers Karl Lauterbach erreichen wollten, bat er um kampferprobtes Personal – vergeblich allerdings. Er organisierte ein Schießtraining und besaß illegal eine Waffe, eine »Pistole aus belgischer Herstellung für Wehrmacht und Waffen-SS«, wie er nicht ohne Stolz mitteilt. Aber die habe er lediglich als Teil seiner »Krisenvorsorge« angeschafft, nicht für den Angriff auf den Bundestag.
Corona-Infektion nur mit Glück überlebt
In seiner Erzählung erscheint Wörner als jemand, der immer nur Befehle ausgeführt hat. Ob es nun um das Ausbaldowern von Kasernen ging oder um die Uniformen, die er für die Armee des herbeigesehnten neuen Deutschlands entwarf, laut Anklage angelehnt an die nationalsozialistische Wehrmacht. Oder wie Wörner sagt: »typisch deutscher Schnitt, modern interpretiert.«
Zu seiner eigenen Motivation hält sich der Mann, der sich von Anwälten mit Wurzeln im Neonazi-Milieu verteidigen lässt und in seinem Online-Shop »Nazi-Rabatt« gewährt haben soll, auffällig bedeckt. Kein Wort dazu, dass er die Bundesrepublik als »blöden Judenstaat« bezeichnet haben soll. Er sei ein »freiheitsliebender Mensch«, sagt er, und habe die Bundesregierung für eine »verbrecherische Clique« gehalten – wegen der Corona-Politik. Wenig später erzählt Wörner, der sich der angeblichen Zwangsimpfung erfolgreich widersetzte, dass er seine eigene Corona-Infektion nur mit Glück überlebt habe.
Titelbild: Der Survivaltrainer und Militariahändler Peter Wörner (Mitte) schwieg lange zu den Vorwürfen von Terrorismus und Hochverrat. Foto: IMAGO/pictureteam
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