Chronologie zum Sellner-Treffen in Ettlingen
Es ist nun schon ein paar Monate her, als die ersten Gerüchte aufkamen, dass Martin Sellner plant, eine Veranstaltung in unserer Region zu machen. Das Ziel der Veranstaltung sollte eine Lesung aus seinem Buch sein. Martin Sellner ist Kopf der „Identitären Bewegung“ (kurz IB), einer Organisation, die mit einer faschistischen, rassistischen und antisemitischen Idee eines ethnisch reinen Deutschland hausieren geht. Sie sind außerdem treibende Kraft der so genannten neuen Rechten. Diese Ideologie erhält auch immer mehr Anklang in der AfD, wie an dem Begriff und Konzept von Sellners „Remigration“ besonders deutlich wird. Grade die AfD Ettlingen fiel in der Vergangenheit durch ihre extrem rechten Positionen und die Nähe zu Vordenkern der neuen Rechten wie dem Verleger Götz Kubitschek, aber auch der IB auf. Es verwunderte also nicht, als sich die Gerüchte um einen Besuch von Martin Sellner rund um eine Wahlkampfveranstaltung des Ettlinger AfD-Abgeordneten Thomas Möckel verdichteten. Auch die brandenburgischen Abgeordneten Lena Kotré und Dominik Kaufner waren geladen, die ebenfalls enge Kontakte in die Strukturen der „Identitären Bewegung“ pflegen. Diese Veranstaltung wurde durch antifaschistische Initiative bekannt und führte zu erheblichen Unmut in der Ettlinger Stadtbevölkerung. Dieser wurde so groß, dass sich die Stadt gezwungen sah die Veranstaltung zu verbieten. Dies wurde gerichtlich gekippt. Lediglich ein Besuchsverbot für Sellner blieb bestehen.
Nun sollte am Samstag, den 28.03.2026, ein zweiter Versuch einer Veranstaltung unternommen werden. Das Datum wurde schnell bekannt, der Ort wurde jedoch penibel unter Verschluss gehalten. Um den Ort doch herauszufinden, entschlossen wir uns, auf die Ettlinger:innen zu setzen und starteten einen öffentlich Aufruf mit der Bitte um Information bezüglich der Veranstaltung. Zudem wurden Pressemitteilungen geschrieben, um das Thema wieder in die Medien zu bringen und mehr Öffentlichkeit zu generieren. Der Plan ging auf. Sellner und seine Veranstaltung wurden wieder zum Stadtgespräch und es formierte sich erneut Widerstand. Zu diesem Zeitpunkt deuteten alle Zeichen für den Veranstaltungsort auf die Vereinsgaststätte des FV Sulzbachs. Diese wurden in der Vergangenheit schon von der AfD genutzt und bot einen Platz für das Sommerfest der JA Ettlingen. Diese Vermutung schien auch nicht falsch gewesen zu sein, wie sich im Nachhinein heraus stellte. Die AfD hatte dort reserviert, aber auf Grund der Vergangenheit mit dem Ort und des öffentlichen Interesses wurde die Location eine Woche vorher abgesagt. Zu groß schien der Druck von Außen und die Konsequenzen für den Pächter durch den Verein zu sein. Dem Verein reicht es nun mit dem Pächter, der einen Hang zu Fascho-Gästen hat. Die Zusammenarbeit wurde beendet und am April gibt es einen neuen Wirt.
Abhilfe für das Treffen bot das Lokal Esskultur, die Clubgaststätte des FV Ettlingenweiers. Diese gab nicht nur bereitwillig ihre Räumlichkeiten für rechtsextreme Vorträge her, sondern brachte sich direkt als neuen Ort für die Stammtische der AfD Ettlingen ins Spiel. Doch auch hier stellte sich der Verein quer, als er am Wochenende der Veranstaltung davon erfuhr. Der Verein positioniert sich klar gegen Rechts und jede Form der Menschenfeindlichkeit. Außerdem hat sich der Verein entschlossen, die Zusammenarbeit mit dem Pächter zum 01.04.2026 Zeitpunkt aufzukündigen.
Diese Geschichte ist in Zeiten der Rechtsentwicklung und der sich auftürmenden Krisen ein Mutmacher. Sie zeigt uns, Antifaschismus ist wichtig und wirkt. Er kann viele Formen haben, die Effizient steigt dabei immens durch gesellschaftlichen Druck und die öffentliche Ächtung. Diesen Druck müssen wir auf allen Ebenen erzeugen. Eine rechte Hegemonie wird es mit uns nicht geben! Auch die Bildung einer klaren Front durch eine Vielzahl an gesellschaftlichen, ettlinger Akteuren war wichtig, um eben diesen Druck zu erhöhen und aufrecht zuhalten. Wir müssen bei unserer antifaschistischen Arbeit alle Möglichkeiten nutzen, uns den Rechten in den Weg zu stellen. Sei es auf der Straße, im Betrieb oder eben, wie im Fall Ettlingen, durch Öffentlichkeitsarbeit. Jedes Mittel ist legitim und wir sollten dabei alle Möglichkeiten in Betracht ziehen.
Auf in die Offensive! Und rechte Löcher im Keim ersticken!

