Der Süden fährt nach Gießen

Am letzten Novemberwochenende 2025 wird die AfD in Gießen ihre neue Jugendorganisation gründen. In der hessischem Stadt soll am 29.11. die „Generation Deutschland“ aus der Traufe gehoben werden. Dagegen regt sich antifaschistischer Widerstand. Antifaschist:innen aus unterschiedlichen Ecken der Republik mobilisieren nach Gießen um das Gründungs-Treffen der AfD-Parteijugend zu verhindern.

Von der „Jungen Alternative“ (JA) zur „Generation Deutschland“

Die bisherige Parteijugend der AfD, die „Junge Alternative“ (JA) firmierte bis zu ihrer Auflösung als eigenständiger Verein. Schon die JA war ein Sammelbecken faschistischer Kreise, hatte große Schnittmengen zur „Identitären Bewegung“ (IB) und anderen extrem rechten Organisationen. In der Konsequenz stand sie fest an der Seite des Thüringer AfD-Führers Höcke.
Nach der Einstufung der JA als „gesichert rechtsextrem“ haben sich innerhalb der AfD Kreise durchgesetzt, die mit dem taktischen Schritt einer Auflösung der JA einem potenziellen Verbot durch die Behörden zuvorkommen wollten. Gleichzeitig ist der Plan, durch eine geordnete Neugründung die Struktur näher an die Mutterpartei zu holen und so besser kontrollieren zu können.
Trotz ihrer Nähe zu faschistischen Kreisen konnte die JA nur punktuell eine Wirkmacht entfalten. Ob es der „Generation Deutschland“ gelingt zum Magnet für rechte Jugendliche zu werden bleibt abzuwarten. Potenzial gibt es dafür allemal. Entscheidend dürfte dabei nicht nur das Handeln der AfD, sondern auch das der antifaschistischen Bewegung sein.

Die Straßen Gießens gehören uns

Erklärtes Ziel der Gießen-Mobilisierung ist die Verhinderung des AfD-Treffens. Rechten Großereignissen mit Widerstand zu begegnen ist richtig, die Kraftprobe auf der Straße ein wichtiger Baustein antifaschistischer Politik.
Ob die Verhinderung gelingt hängt dabei von vielen Faktoren ab, einige davon kann die antifaschistische Bewegung selbst beeinflussen. Mobilisierungen gegen rechte Großereignisse waren seit jeher ein wichtiger Kristallisationspunkt des antifaschistischen Kampfes. Der „battle of cable street“1https://www.londonmuseum.org.uk/collections/london-stories/battle-of-cable-street/ in London, die militante Demo gegen das NPD-Treffen in Bad Fallingbostel oder aber die verhinderten Nazi-Aufmärsche in Dresden in den 2010er Jahren – allesamt bedeutende Ereignisse ihrer Zeit. Entscheidend für die damaligen Erfolge waren u.a. das solidarische Zusammenstehen aller Beteiligten, der Widerstand auf unterschiedlichen Ebenen – von der Straßenblockade bis hin zur direkten Auseinandersetzung mit den Faschist:innen, die schiere Masse an Menschen die mobilisiert wurde und die Bereitschaft kollektiv die Grenzen der bürgerlichen Rechtsprechung links liegen zu lassen.

Auch in Gießen wird es genau darum gehen diese Aspekte in die Praxis umzusetzen. Die vergangenen Proteste gegen AfD-Parteitage in Riesa oder Essen und insbesondere das Handeln der deutschen Polizei haben deutlich gezeigt, dass auch 2025 rechte Großevents nicht allein mit zivilem Ungehorsam zu stoppen sind. Hinzu kommen mutmaßlich mehrere hundert, zumeist junger Rechter die Ende November in die Hessenhallen kommen wollen. Auf all das gilt es vorbereitet zu sein.

Wo kann man mitmachen?

Aus vielen Städten in Süddeutschland gibt es Anfahrten nach Gießen, teilweise unter der Kampagne Widersetzen, teilweise als eigenständige Mobilisierungen. Wir haben euch hier einen Überblick zusammengestellt.

» Augsburg

Mobilisierung von OAT Augsburg. Alle Infos findet ihr direkt beim OAT bzw. den Social Media-Kanälen.

» Freiburg

Mobilisierung von Gemeinsam Kämpfen FreiburgOAT Freiburg (gemeinsam „Roter Bus“)
Tickets: 40 ermäßigt / 50 normal / 60 Soli, zu kaufen bei Veranstaltungen

» Heidelberg

Alle Infos zur Anreise aus Heidelberg findet ihr beim OAT Heidelberg.
Das OAT hat einen eigenen Aufruf zu Gießen veröffentlicht, den ihr hier nachlesen könnt.

» Karlsruhe

Mobilisierung des OAT Karlsruhe; alle Infos zur Anreise findet ihr über ihre Kanäle.

» Landau

Anreise wird organisiert vom OAT Landau, für Infos und Tickets bitte Kontakt aufnehmen.

» Mannheim

Mobilisierung des OAT Mannheim
Tickets gibt’s im Ewwe longt’s, dazu findet ihr hier Verkaufszeiten. Normal 28,50 Euro / Vergünstigt 24 Euro / Soliticket 35 Euro.

» München

Anreise wird organisiert vom Antifa-Stammtisch München

» Nürnberg

Infos dazu via Antifa-Aktionskneipe Nürnberg
Tickets gibts im Stadtteilladen Schwarze Katze, im Mops von Gostenhof oder dem Gostenhofer Dorfschulzen. Sozial-Ticket: 10 Euro / Basis-Ticket 25 Euro / Soli-Ticket 40+X Euro

» Rems-Murr-Kreis

Alle Infos direkt beim OAT Rems-Murr.

» Stuttgart

Mobilisierung von Stuttgart gegen Rechts & AABS
Tickets: Ermäßigt: 15 € / Normal: 30 € / Solipreis: 60 € – Verkaufsstellen für Tickets:
LinksEck: Liebenzeller Str. 1, 70372 Stuttgart (Mo-Fr, 10-18 Uhr) / Linkes Zentrum Lilo Herrmann: Böblinger Str. 105, 70199 Stuttgart (samstags ab 19 Uhr) / Raupe Immersatt: Johannesstraße 97, 70176 Stuttgart (Mi-Fr 10-23 Uhr; Sa-So 10-19 Uhr)

» Tübingen

Mobilisierung von OTFR Tübingen (Offenes Treffen gegen Faschismus & Rassismus)
Tickets gibt’s für 20 Euro (normal) und 25 Euro (für Unterstützer:innen) im Linken Laden Trude Lutz.

» Villingen-Schwenningen

Alle Infos direkt beim OAT Villingen-Schwenningen.

So richtig es ist, sich den Nazis in den Weg zu stellen, so notwendig ist die Kritik an den herrschenden Verhältnissen und die solidarische Debatte über die antifaschistische Strategie.
Zum Bundesparteitag der AfD 2024 in Essen haben wir uns intensiver mit dem Konzept der Widersetzen-Kampagne beschäftigt – unsere Kritik könnt ihr hier nachlesen.

  • 1
    https://www.londonmuseum.org.uk/collections/london-stories/battle-of-cable-street/