Die Instrumentalisierung des Todes von Quentin Deranque

Vom „unschuldigen Studenten“ zum „Blutzeugen“. Die Instrumentalisierung des Todes von Quentin Deranque. Der gewaltsame Tod des 23-jährigen Quentin Deranque am 14. Februar 2026 in Lyon markiert eine Zäsur in der Dynamik der politischen Auseinandersetzungen in Europa. Was sich am Rande einer Konferenz der LFI-Europaabgeordneten Rima Hassan an der Sciences Po Lyon abspielte, wird seither von einer gut geölten, transnationalen Propagandamaschinerie der extremen Rechten umgeschrieben. Das verbreitete Narrativ zeichnet das Bild eines friedfertigen, tief religiösen Mathematikstudenten, der allein wegen seiner Überzeugungen Opfer eines „linksextremen Lynchmordes“ wurde. Doch diese Erzählung ist eine bewusste Fiktion. Sie dient nicht der Trauer, sondern der strategischen Erschaffung eines neuen „Blutzeugen“ für die extreme Rechte. Sie dient […]

Pogrom in Belfast

In Reaktion auf einen Mordversuch an einem 40jährigen Mann setzten Vermummte Wohnhäuser von Migranten in Brand In Brand gesteckte Autos und Häuser, Wurfgeschosse und islamfeindliche Parolen: In der Nacht zum Mittwoch kam es in Belfast und an anderen Orten Nordirlands zu schweren rassistischen Ausschreitungen. Wie in den vergangenen Jahren auch wurden die Übergriffe auf Migranten von loyalistischen Paramilitärs koordiniert. Anlass war ein brutaler Angriff eines Sudanesen, der einen 40jährigen Mann mit einem Küchenmesser schwer verletzte und nun wegen versuchten Mordes angeklagt ist. Über die Hintergründe ist bisher wenig bekannt. Die Unruhen begannen, nachdem sich rund 200 Personen zu einem zunächst friedlichen Protest versammelt hatten. Eine Gruppe von Vermummten verließ später […]

Punktesystem fürs Töten

12 Punkte für das Töten eine:r Soldat:in, 25 Punkte für das Töten eine:r Drohnenpilot:in und 120 Punkte für die Gefangennahme eine:r Soldat:in mit einer Drohne. Diese Systeme kommen sicherlich vielen aus Computerspielen wie „Counterstrike 2“, „Call of Duty“ oder „Rainbow Six Siege“ bekannt vor. In manchen Spielen, wie zum Beispiel bei der „Call of Duty“-Reihe, können Spieler:innen dann auch während der Runde neue, vorher definierte Waffensysteme kaufen und direkt nutzen. Was jetzt aber klingt wie ein Punktesystem aus einem Computerspiel, ist die Realität in der Ukraine: Dort ist das „virale“ System, wie es Mykhailo Fedorow, Kriegsminister der Ukraine, nennt, seit 2025 in Benutzung. Für jeden gefilmten und an das Kriegsministerium […]

Träume von Großniederlanden

Der »Identitäre Widerstand« mischt bei Protesten gegen Geflüchtete mit In den Niederlanden machen wieder einmal »aufgebrachte Bürger« an mehreren Orten mobil gegen die geplante Unterbringung von Geflüchteten in ihren Gemeinden. In Apeldoorn besetzen die zumeist jugendlichen Protestierenden seit vergangenem Freitag allabendlich einen Kreisverkehr. Regelmäßig rückt das Sonderkommando der niederländischen Polizei an, die ­Mobiele Eenheid (ME), um die Straße zu räumen, berichtete der Regionalsender Omroep Gelderland am Dienstag. In ’s-Hertogenbosch (Den Bosch) sollen 50 Mädchen und Jungen zwischen 15 und 18 Jahren, die alleine in die Niederlande geflohen sind, in einer alten Polizeistation in einem Gewerbegebiet am Stadtrand untergebracht werden. Noch bevor sie überhaupt angekommen sind, schlägt ihnen schon blanker Hass […]

Ein Milliardär mit Massenbasis

Trump und die Frage der Faschisierung in den USA Wer sich mit der Frage herumschlägt, ob der Begriff des Faschismus aktuell sinnvoll angewendet werden kann oder nicht, steht vor einem Problem. Einerseits verbietet es sich, den Faschismusbegriff inflationär zu verwenden, um reaktionӓre Gegner*innen zu kennzeichnen. Denn das verharmlost die faschistische Gefahr. Das galt schon für die Weimarer Republik, als Kommunisten die Brüning-Regierung (1930–32) als faschistisch bezeichneten und damit den Unterschied zwischen parlamentarischen und diktatorischen Formen bürgerlicher Herrschaft einebneten – und schlimmer noch, als sie die Sozialdemokraten, mit denen sie ein antifaschistisches Bündnis hätten bilden müssen, als »Sozialfaschisten« bekämpften. Ähnliches taten auch die Sozialdemokraten, als sie die Kommunisten als »rot lackierte […]

Erst Opfer, dann Verdächtige

Rassistische Gewalt in Berlin 358 Angriffe, 545 Betroffene: Reach Out meldet Zunahme rassis­tischer und rechter Gewalt – und kriti­siert die Kriminali­sierung der Opfer Ein Mann will im April 2025 in Schöneweide einfach nur einkaufen gehen. Aber unvermittelt wird er mit einer Saftpackung beworfen. Im Juni 2025 fährt eine Familie Auto, plötzlich greift ein Fahrradfahrer ins Fenster und reißt einem neunjährigen Mädchen, das mit einer Palästina-Fahne spielt, diese aus der Hand. Das Mädchen wird verletzt, ihr Vater im Nachgang kriminalisiert. Im Dezember 2025 werden am S-Bahnhof Köpenick Besucher*innen des Jugendclubs »Café Köpenick« von Neonazis angegriffen. Das sind drei von insgesamt 358 rassistischen und rechten Angriffen, die die Beratungsstelle Reach Out im Jahr […]

Internationaler Trend: Antifa verboten

US-Präsident Donald Trump erklärt „die Antifa“ zur terroristischen Organisation. Parteien der extremen Rechten in Europa sind begeistert und fordern, es ihm nachzutun. Man hätte gewarnt sein können. „Die Vereinigten Staaten von Amerika werden die Antifa als eine terroristische Organisation einstufen“: Das hatte US-Präsident Donald Trump getwittert, allerdings nicht erst kürzlich, sondern bereits in seiner ersten Amtszeit, am 31. Mai 2020. Damals wurde noch nichts daraus; Trump beließ es vorläufig bei der Ankündigung. Anders in seiner zweiten Amtszeit. Am 17. September 2025 sonderte er, jetzt freilich auf „Truth Social“, erneut die Mitteilung ab, „die Antifa“ werde in Kürze als Terrorbande klassifiziert; und dieses Mal ließ er den Worten Taten folgen. „Die […]

Freiheit für die Saragossa 6

Wir erleben seit Jahren das Hereinbrechen eines beispiellosen staatlichen Kriminalisierungs-SuperGAUs über antifaschistische Einzelpersonen, Zusammenhänge, Organisationen. Die mittlerweile in vielen Nationalstaaten der Welt zu beobachtende Faschisierung – also das planvolle Umkippen(lassen) bürgerlicher Herrschaftsformen in ihren terroristischsten Ausdruck – hat dazu geführt, dass die Repressionsorgane alles, was von den ideologischen Staatsapparaten unter dem Begriff „Antifa“ zusammengefasst wird, bis zur Bedeutungslosigkeit zerschlagen wollen; und zwar mit allen Mitteln. Das ist in Ungarn so, das ist in den Niederlanden so, das ist in den USA so – aber die Tendenz gibt es eben auch in Spanien. Hier ist der organisierte, massenbewegte Faschismus noch nicht direkt an die Schalthebel der politischen Macht gelangt, hat aber […]

Wann, wenn nicht jetzt

Die Revolution in Rojava verteidigen! Die Ereignisse in Syrien überschlagen sich. Nachdem das syrische Regime bereits in den letzten Wochen kurdische Stadtteile in Aleppo angegriffen hat, ist es nun zum zum Generalangriff auf die Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien übergegangen. Mittlerweile sind die mehrheitlich arabischen Städte unter Kontrolle des syrischen Regimes, in anderen Teilen Rojavas wird nach wie vor heftiger Widerstand geleistet. Insbesondere Kobane, eine Stadt, die wie sonst keine für den Widerstandsgeist Rojavas steht, ist aktuell eingekesselt durch die islamistischen Milizen unter Führung Jolanis. Ohne wirklich tief in die militärische Situation vor Ort einzusteigen, lässt sich Eines klar sagen: Die Situation ist verdammt ernst. Es geht im Moment um […]

Linke Antworten auf US-Angriff auf Venezuela

Klassenkampf gegen Imperialismus und der Mythos der nationalen Unabhängigkeit Die Angriffe der US-Armee in Venezuela sind Ausdruck des Imperialismus, aber wie können wir auf sie reagieren? Verständlicherweise rufen viele Menschen zur Verteidigung der »nationalen Unabhängigkeit« auf. Aber aus der Perspektive der Arbeiter*innenklasse und der internationalen Emanzipation ist der Ruf nach »Souveränität« ein gefährlicher Mythos. Die Situation in Venezuela ist Teil eines globalen Panoramas der Blockkonfrontation, und als internationale Arbeiter*innen müssen wir Wege finden, nicht zwischen den Fronten zerrieben zu werden. Einer der Gründe, den die US-Regierung für den Kampf gegen den »Kommunismus« in Venezuela angibt, sind die engen Beziehungen des Landes zu »Feinden der USA«: China und Iran. Am Abend […]

Rückkehr der Reaktion

In ganz Lateinamerika und der Karibik gewinnen extrem rechte Kräfte an Einfluss. Ihre Agenda: Antikommunismus, Kulturkampf und neoliberale Wirtschaftspolitik Vijay Prashad lebt in Chile und ist Direktor des Tricontinental-Instituts für Sozialforschung. Der vorliegende Text erschien zuerst im Onlinemagazin Peoples Democracy. Wir veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung des Autors eine redaktionell gekürzte Übersetzung. (jW) Brasiliens Jair Bolsonaro und Argentiniens Javier Milei wirken immer zornig. Sie sprechen stets laut und aggressiv. Testosteron scheint aus ihren Poren zu tropfen – ein toxischer Schweiß, der sich über die gesamte Region ausgebreitet hat. Es wäre leicht zu behaupten, dies sei die Wirkung von Donald Trumps eigener Spielart des Neofaschismus. Doch die extreme Rechte hat viel tiefere […]

Raise The Colours – Mit Union Jack in den Dünen

Britische Nationalisten belästigen und attackieren Flüchtlinge sowie Freiwillige von Hilfsorganisationen an der Kanalküste Die Botschaft ist klar: Britische Patrioten hindern nichtweiße »Invasoren« daran, den Ärmelkanal zu überqueren und illegal englischen Boden zu betreten. Doch hinter der Gruppe »Raise The Colours« (etwa: »Hisst die Flagge«) steckt weniger eine »patriotische Graswurzelbewegung«, wie es auf der Internetseite heißt, sondern dubiose Geschäftemacher mit einem Sinn für Selbstinszenierung. Am Freitag haben drei Mitglieder der Gruppe an der französischen Kanalküste einmal mehr so getan, als ob sie »die Boote stoppen«, wie die französische Zeitung Le Monde am Sonntag berichtete. Am Freitag konnten mehr als 150.000 Onlinefans offenbar live dabei zusehen, wie die Männer sich in Dunkerque […]